Buchrezension: Christa Müller: Dein Kind will Dich – echte Wahlfreiheit durch Erziehungsgehalt

Wenn man ein Buch von Christa Müller, Ehefrau von Oskar Lafontaine und Pressesprecherin der Linken im Saarland, in die Hände nimmt, kann man natürlich nicht erwarten, daß sie neoliberale oder christliche Lösungen für die Krise der Familie und den Geburtenrückgang vorschlägt. Trotzdem lohnt es sich, es zu lesen, denn die Analyse der Krise stimmt in großem Umfang mit der christlich-konservativen überein. Sie behauptet, daß Kinder in den ersten Lebensjahren bei ihren Müttern bleiben müssen und führt eine Fülle von Argumenten und Beispielen aus wissenschaftlichen Studien an, insbesondere sozialpsychologische und neuromedizinische. Der größte Teil des Buches befaßt sich mit diesen Bereichen, was das Buch lesenswert macht.

Sie kritisiert harsch die Allianz der Radikalfeministen und der Wirtschaft. Die Wirtschaft, die die Politik der Bundesministerin von der Leyen der einseitigen Förderung der Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf durch den Ausbau von Krippenplätzen unterstützt, wird von Frau Müller kritisiert, weil es Frau von der Leyen ihrer Meinung nach nur um ökonomischen Interessen geht. Die Großunternehmen wollen, daß die Mütter schnell wieder in den Arbeitsprozeß integriert werden, um die Produktion am Laufen zu halten und damit die Lohnkosten aufgrund des erhöhten Arbeitsangebotes niedrig bleiben. Wenn die Mütter zu Hause bleiben und nicht arbeiten, würde das Angebot an Arbeitskräften sinken und dementsprechend würden die Löhne steigen. Das will die Wirtschaft nach Ansicht von Frau Müller vermeiden und deshalb unterstützten sie den Krippenausbau, den sie ohnehin nicht finanzieren müssen. Frau Müller kritisiert ebenso die radikalen Feministinnen und wirft ihnen vor, daß sie sich ganz den Normen der Männerwelt angepaßt haben, anstatt dem typisch Weiblichen, beispielsweise die Mutterschaft, einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert zu verschaffen.

Aus christlich-konservativer Sicht sind jedoch ihre Lösungsvorschläge bedenklich. Kernstück ihres Projektes ist ein Erziehungsgehalt in Höhe von 1600 Euro pro Monat pro Kind. Dazu sollen einige staatliche Einrichtungen garantieren, daß diese frühkindliche Erziehung effizient und das Geld tatsächlich für das Kindeswohl ausgegeben wird.

Das klingt natürlich sehr verlockend: Jeden Monat 1600 Euro pro Kind! Doch diese Förderung soll nicht an die Familie, das heißt an das Ehepaar plus Kinder gehen, sondern an den Erzieher, also in der Regel an die Mutter. So soll die Unabhängigkeit der Frau gegenüber dem Mann gefördert und zementiert werden. Der Erziehungsgehalt ist also keine Familienförderung, sondern eine Erzieherförderung mit eindeutig emanzipatorischem Charakter.

Bislang hat man die Familie immer als eine Einheit angesehen, die die Familie tatsächlich ist. Eine soziale, eine emotionale und auch eine ökonomische Einheit. Der Staat sollte innerhalb dieser Einheit keinen Einfluß nehmen, sondern das Subsidiaritätsprinzip respektieren und sich heraushalten. Entsprechend der katholischen Sozialdoktrin muß der Staat Sorge tragen, daß die Familien ein ausreichendes Einkommen haben. Der Staat darf aber nicht in die innere Struktur der Familie eingreifen. Das Erziehungsgehalt würde im Grunde genommen die alte Forderung der Kommunisten erfüllen, die Familie als „ökonomisch notwendige Institution“ zu überwinden. Ökonomische Notwendigkeiten sind natürlich nicht das Einzige, was die Existenz der Familie erforderlich macht, doch sie sind nicht unbedeutend.

Die Päpste und die katholischen Kirche lehren, daß die Familie der Kern aller Sozialordnung ist. Die Familie existierte schon vor dem Staat und aus dem Zusammenschluß von Familien ist der Staat hervorgekommen. Die Familien haben sozusagen einen Teil ihrer Souveränität einer gehobenen Instanz abgegeben, dem Staat, damit dieser für sie das Wohl der Allgemeinheit hütet. Ein Erziehungsgehalt in der Form, wie es Christa Müller vorschlägt, macht aus den Müttern Angestellte des Staates und versucht, die Familie überflüssig zu machen. Stattdessen sollten die Familien stark steuerlich entlastet werden, damit sie ihren Erziehungspflichten- und rechten nachkommen können.

Christa Müller: Dein Kind will Dich – echte Wahlfreiheit durch Erziehungsgehalt. 192 S., Sankt Ulrich Verlag Augsburg, 18,90 Euro.

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