Leiter des SED-Forschungsverbunds an der Freien Universität Berlin: Ostdeutsche Lehrer verklären die DDR

Der DDR-Forscher und Leiter des SED-Forschungsverbunds an der Freien Universität Berlin Klaus Schroeder macht die Lehrer in Ostdeutschland für die zunehmende Verklärung der DDR in den neuen Ländern mitverantwortlich und fordert Konsequenzen.

In einem Interview mit dem Magazin Focus bemängelt, daß das positive Bild der DDR, das viele Jugendlichen in den neuen Bundesländern haben, von Lehrern vermittelt wird, die daran ein ideologisches Interesse haben. „Die Erinnerungspolitik ist voll in den Händen derjenigen, die dieses positive Bild vermitteln.“

Manche Klischees halten sich hartnäckig, wie beispielsweise die der der besseren Bildungsmöglichkeiten: „Es hält sich ja die Mär, dass in der DDR jeder studieren durfte. Das ist völliger Blödsinn – in Wahrheit war es in den 80er-Jahren nur zehn bis zwölf Prozent eines Jahrgangs. Zum damaligen Zeitpunkt war zudem der Anteil von Arbeiterkindern an den Universitäten niedriger als in der Bundesrepublik.“

Viele glauben, daß das Einkommen und das Vermögen in der DDR gleichmäßiger verteilt war, was schlichtweg falsch ist: „In Wahrheit aber waren die Einkommens- und die Vermögensverhältnisse in der DDR sehr ungleich, fast genauso wie in der Bundesrepublik. Wenn man vom sogenannten Raubtierkapitalismus spricht, muss man also genauso vom Raubtiersozialismus reden.“

Um das zu ändern, müßten „die Bildungsministerien der Länder überprüfen, ob das, was in den Lehrplänen steht, auch wirklich unterrichtet wird. Es gibt viele Lehrer in den neuen Ländern, die an der Verbreitung des geschönten DDR-Bildes mitwirken. Sie weigern sich einfach, die Fakten anzuerkennen und weiterzuvermitteln.“

Gute Gelegenheiten für die Vermittlung eines objektiven Geschichtsbildes bieten für Schröder Gedenktage, wie beispielsweise der 17. Juni.

Vollständiges Interview: FOCUS

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