Dose mit weißen Pillen

Schon Kinder nehmen Tabletten gegen Kopfschmerzen

Christiane Jurczik

Nach einer repräsentativen Umfrage der Barmer haben bereits 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen 9 und 19 Jahren schon mal Medikamente eingenommen, wenn sie Kopfschmerzen haben. 42 Prozent bekämpften den Schmerz sogar jedes Mal mit Arzneimitteln. Und Kopfschmerzen kommen offenbar immer öfter und immer früher. Das sagt neben der Barmer-Studie auch eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse.

Auch Erzieher, Lehrer und Ärzte sind alarmiert. Immer mehr Kinder zeigen sich in der Schule und im Kindergarten verhaltensauffällig. Viele Kinder sind besonders unruhig, reagieren sehr aggressiv und haben Probleme damit, stillzusitzen und zuzuhören. Gehäuft treten Kopfschmerzen, Schlafstörungen und auch Magen-Darm-Beschwerden schon bei kleinen Kindern auf.

Die Ursachen sind vielfältig, jedoch ist gerade die Lebensumwelt für die Entwicklung von Kindern entscheidend. Und diese ist mehr denn je geprägt von Leistungsdruck. Eine aktuelle Studie belegt, dass schon Kinder im Grundschulalter gestresst sind und daher auch die entsprechenden Symptome zeigen. Rauchen kann ebenso zu Kopfschmerzen führen wie Alkoholkonsum, koffeinhaltige Getränke, zu wenig Bewegung, Stress und Muskelanspannungen in den Schultern oder im Nacken. Als weitere Faktoren gelten laut Forschern eine Überforderung der Schüler und Mobbing.

Neben dem Kampf um gute Noten und vollen Stundenplänen sind aber auch andere Faktoren für den Stress verantwortlich. Mobbing wird zuweilen schon in den Kitas beobachtet. In der Schule nehmen Streit und Ärger mit den Klassenkameraden noch zu und schaffen eine Atmosphäre, die viele Kinder krank macht.

Auch Probleme innerhalb der Familie wirken sich negativ auf die Psyche der Kinder aus. Die steigende Zahl der Scheidungen und das nicht immer einfache Zusammenleben in Patchwork-Familien gehen nicht spurlos an den Kindern vorbei.

Wenn ihre Schüler im Unterricht Kopfschmerzen haben, bitten sie Karin Frisch immer häufiger um Schmerztabletten. Sie ist Lehrerin an einer Gesamtschule in Wiesbaden. Auch laut der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft nehmen Kopfschmerzen im Kinder- und Jugendalter tendenziell zu.

"Viele Kinder werden schon wie selbstverständlich mit Kopfschmerztabletten in die Schule geschickt, das gehört dazu wie das Pausenbrot", sagt Hartmut Göbel Direktor der Schmerzklinik Kiel. 

Schmerzexperte Göbel warnt davor, Kopfschmerzen zu häufig mit Schmerzmitteln zu bekämpfen. Denn Schmerzmittel reduzieren die Schmerzempfindlichkeit. Nimmt man sie über einen längeren Zeitraum sehr häufig ein, reagiert das Nervensystem sensibler auf Schmerzen.

Stress abbauen

Kindern fällt es schwer, sich bewusst zu entspannen. Gerade kleine Kinder sitzen oft nicht gern still und verstehen nicht, wie sie Ruhe genießen sollen. Hierzu gibt es spezielle Massage- und Körperwahrnehmungsübungen, die leicht in den Alltag integriert werden können. Die Freizeit sollte einen gesunden Ausgleich für die Schule schaffen. Gerade Sport und Bewegung im Freien wirken stressabbauend.

Leider verbringen Kinder mittlerweile sehr viel Zeit vor PC, Fernseher und Spielkonsole. Hier müssen Eltern aktiv werden und Ihrem Kind Alternativen bieten. Egal ob die Mitgliedschaft im Verein oder schlicht viele gemeinsame Aktivitäten können wahre Wunder bewirken.

Mit Informationen aus bildungsklick, experto.de, tk-barmer-studie

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