Junge vor Computer

Schule: Lernen ohne digitale Technik viel effektiver

Christiane Jurczik

Deutschlands Lehrer verzweifeln regelmäßig an Kindern und Jugendlichen, die in der Schule mit ihren Smartphones beschäftigt sind. Unmöglich sich auf den Unterricht zu konzentrieren.

An den meisten Schulen in Deutschland, gibt es klare Regeln für die Benutzung von Smartphones. Während des Unterrichts darf nicht gechattet oder im Internet gesurft werden. Die Geräte sollen möglichst auf stumm oder ganz ausgeschaltet werden. In der Hausordnung ist das Handyverbot geregelt. 

Das Fotografieren und Filmen außerhalb spezieller Projekte ist auch nicht erlaubt. Bei YouTube gibt es trotzdem inzwischen viele Videos von Lehrern während des Unterrichts - hochgeladen von Schülern. Am beliebtesten sind Videos von Lehrern, die sich von Schülern provozieren lassen und ausrasten. 

Dass so ein Verbot durchaus sinnvoll sein kann, haben nun Louis-Philippe Beland und Richard Murphy im Auftrag des Centre for Economic Performance der London School of Economics bewiesen. Die Wissenschaftler verglichen die Leistungen von Schülern in vier englischen Städten vor und nach einem Handyverbot an ihren Schulen.

Mehr als 80 Prozent aller 12- bis 13-Jährigen haben laut der Jim-Studie ("Jugend, Information, Multi-Media") des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest ein Smartphone. Bei den 16- bis 17-Jährigen sind es 93 Prozent. Die Kinder und Jugendlichen verwenden die Geräte vor allem, um sich Nachrichten über WhatsApp oder andere Messenger zu schicken. Jeder Fünfte nutzt die Geräte demnach häufiger als 50-mal pro Tag. 

Leistungssteigerung bei Handyverbot

Die Forscher fanden heraus, dass sich die Leistungen der 16-jährigen Schüler durchschnittlich um mehr als sechs Prozent verbesserten, wenn diese ihr Handy in der Schule nicht nutzen durften. Vor allem leistungsschwache Schüler aus Haushalten mit geringem Einkommen profitieren demnach von dem Handyverbot: Ihre Leistungen verbesserten sich um mehr als 14 Prozent - so als wären sie eine Schulstunde pro Woche mehr unterrichtet worden.

Fazit: Die Bildungspolitik muss sich von ihrer Fixierung auf die Digitaltechnik im Unterricht lösen. In der Lehrerausbildung muss der Einsatz analoger sowie digitaler Medien trainiert werden. Ob und wann welche Medien dann im Unterricht eingesetzt werden entscheidet der einzelne Lehrer nach der Entwicklungsstufe der Kinder und Jugendlichen. 

Handys und Tablets haben im Unterricht nichts zu suchen. Sie sind dort nicht einmal rechtlich erlaubt. Denn das Grundprinzip der individualisierten Angebote im Netz beruht auf der Auswertung von Nutzerdaten. Wer im Netz aktiv ist, produziert pausenlos Daten aus denen Persönlichkeits- und Verhaltensprofile erzeugt werden. In der neuen Datenschutzgrundverordnung steht: Alle Nutzer müssen jetzt vor dem Speichern ihrer Daten ihre Einwilligung geben. Daten von Nutzern unter sechzehn Jahren dürfen nur nach Zustimmung der Eltern verwertet werden. Da weder Eltern noch Lehrer oder Schulleitung wissen, was Anbieter von Software und Apps mit Nutzerdaten machen, ist die “Zustimmung“ mehr als bedenklich. Für Schulen gilt daher: Weder Tablets noch Smartphones dürfen nach der neuen Verordnung eingesetzt werden. Diese Geräte senden pausenlos intransparente Daten an die Hersteller (vermehrt in die Vereinigten Staaten).

Besser: Schulen ohne frei zugänglichen Internetanschluß

Besser einsetzbar für Schulen ist der Umstieg auf lokal geschlossene Installationen als Intranet - zum Beispiel für Berufsschulen. Sie funktionieren ohne Internetanschluss, womit der Vorschrift entsprochen wird. Zudem ist es pädagogisch und psychologisch sinnvoll zwischen Arbeits- und Konsumgeräten zu unterscheiden. PC’s kann man selbst konfigurieren, defekte Teile tauschen. Zugleich auch eine umweltfreundliche Angelegenheit und besser als alle Jahre komplette Serien von Tablets oder Smartphones zu entsorgen. Mit Linux und Open-Source-Software kann man alles lernen: Programmieren, Anwendungen wie Textverarbeitung oder Filmschnitt bis zu Webpublishing. Alles ohne die Daten der Schüler im Netz zu verlieren. Für alles aus dem Netz erforderliche sollten wenige Online-Rechner zur Verfügung stehen. Sie dürfen nur für schulische Zwecke freigegeben werden und müssen vorab geprüft werden. Nur so kann die Schulleitung für die erzeugten Daten die Verantwortung übernehmen, die ihr laut der neuen Verordnung übertragen wurde.

Es drängt sich nun die Frage auf: Wer bestimmt über Technik an Schulen? IT-Wirtschaft und Bildungsbürokratie oder doch ein Bundes-Schulcloud?

Besser wir hören auf Pädagogen, Lernpsychologen, Erziehungswissenschaftler und letztendlich auf alle fürsorglichen Eltern. Das Wichtigste ist: Wir müssen die Kinder und Jugendlichen auf eine stark digitalisierte und technische Welt vorbereiten, indem sie lernen, selbstbestimmt das System zu nutzen statt nur als ein Teil solcher Systeme zu funktionieren.

Mit Informationen aus FAZ und Focus online

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