Im Kampf Eltern gegen Lehrer - wird das Klassenbuch überflüssig? | Aktion Kinder in Gefahr

Im Kampf Eltern gegen Lehrer – wird das Klassenbuch überflüssig?

Christiane Jurczik

Kinder dürfen im Unterricht mittlerweile vieles, wofür es noch vor 20 Jahren einen Eintrag ins Klassenbuch gab. Und immer mehr Eltern streiten wegen eines Eintrags mit dem Lehrer. Die Folge sind genervte Lehrer und immer weniger Respekt vor den Regeln und der Hausordnung der Schulen.

Die Eltern verdrängen die Tatsache, dass Schule nicht nur bilden, sondern auch disziplinieren muss. Denn viele Lehrer spüren, dass in Familien immer weniger Grenzen gesetzt werden.

Denn während noch vor 20 Jahren Zuspätkommen in der Grundschule mit einem hochoffiziellen Eintrag geahndet wurde, gilt Unpünktlichkeit an vielen Schulen offenbar als Kavaliersdelikt. „Manch eine Schule hat mittlerweile sogar schon einen gleitenden Anfang eingeführt“, sagt Ulrich Märtin, Geschäftsführer der Gewerkschaft Erziehung und Bildung (GEW) Hessen aus Frankfurt. Damit trage man dem Wunsch der Eltern nach einer flexiblen Anfangszeit Rechnung, sagt er. Allerdings gebe es auch weiterhin einen festen Zeitpunkt, ab dem der Unterricht dann definitiv beginne. Einträge wegen Zuspätkommen kassiert hier niemand mehr! Essen und Trinken im Unterricht gehören an immer mehr Schulen mittlerweile schon zur Tagesordnung. Dazu gehören in den Grundschulen gemeinsame Frühstückspausen. Und getrunken werden darf sowieso den ganzen Unterricht über.

Doch eigentlich müsste jedem klar sein, dass Schule ohne Regeln nicht funktionieren kann. In der idealen Schule kennen alle Beteiligten diese Regeln, halten sich auch ganz zwanglos daran und können sich so ungestört dem eigentlichen Ziel des Unterrichts widmen, also dem Lernen. In der realen Schule halten sich natürlich nicht alle an die Regeln.

Dabei geht es nicht um so harmlose Dinge, etwa dass ein Kind ständig etwas sagt, ohne dazu aufgerufen worden zu sein. Es geht um die absichtliche Störung des Unterrichts mit dem Ziel, diesen unmöglich zu machen. Die schlichte Destruktivität also, die Lust an der nicht hinnehmbaren Provokation und Auflehnung, die eher von jugendlichen Schülern ausgeht.

Disziplin passt nicht mehr in das Selbstbild der Nation

Die Notwendigkeit der Disziplinierung der Kinder wird von der Gesellschaft verdrängt, sie verschweigt diese lieber, weil sie sich selbst als frei und zwanglos imaginieren möchte. Es passt nicht zum Selbstbild, dass die Notwendigkeit von Erziehung nicht geringer geworden ist, sondern eher zunimmt. Was auch daran liegt, dass die Familie als primärer Raum einer solchen Disziplinierung mehr und mehr ausfällt.

Unsere Gesellschaft lebt ohne Disziplinierung und fast ohne Regeln. Es gibt keine gemeinsamen Mahlzeiten mehr – und wenn is(s)t das Handy mit am Tisch, Verabredungen werden nicht eingehalten, es gibt keine festen Regeln, die Mutter oder eine Haushälterin sorgt für Ordnung und Sauberkeit, Kinder haben keine festen Zeiten zum Schlafen gehen oder für die Hausaufgaben; die sollen ja sowieso abgeschafft werden, weil die, ach so gestressten Kinder, auch mal Zeit für sich haben wollen…

Stattdessen hat die Gesellschaft den Zwang an die Schulen delegiert und empört sich dann darüber, dass diese mit seiner Durchsetzung überfordert ist. Liegt hierin vielleicht der tiefere Grund des akuten Lehrermangels in Deutschland? Kein Wunder, dass immer weniger junge Menschen bereit sind, diese Rolle des Prügelknaben der Nation anzunehmen.

Mit Informationen aus extratipp.com

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