Studie: Sozial Media macht depressiv – vermehrt bei jungen Menschen | Aktion Kinder in Gefahr

Studie: Sozial Media macht depressiv – vermehrt bei jungen Menschen

Christiane Jurczik

Nach über einem Jahrzehnt Nutzung von sozialen Internetplattformen wie Facebook kann die Forschung erste übergreifende Ergebnisse vorweisen. Unter anderem zur emotionalen Wirkung des konstanten In-Kontakt-Seins auf den Einzelnen.

Soziale Netzwerke wie Facebook sind nicht nur ein Medium, um mit Freuden in Kontakt zu treten. Sie sind auch ein Jahrmarkt der Eitelkeiten, auf dem viele Teilnehmer mit ihren Erfolgen, Hobbys oder der Zahl ihrer Freunde prahlen. Gerade bei jungen Menschen löst dies offenbar Gefühle von Einsamkeit und Minderwertigkeit aus. „Viele meiner jungen Patienten sind relativ zufrieden mit dem, was sie in den ersten 20 Jahren ihres Lebens erreicht haben, bevor sie Facebook öffnen“, berichtete eine Psychologin in Psychology Today.

Viele Nutzer machen bei Facebook offenbar die Erfahrung, dass ihre Bekannten ihnen wie im Märchen mit dem Igel und dem Hasen immer einen Schritt voraus sind. Die menschliche Neigung, sich mit anderen zu vergleichen, kann dazu führen, dass die Nutzer langsam depressiv werden.

Immer wieder untersucht wurden aber auch die Auswirkungen der Facebook-Nutzung auf die menschliche Psyche. Das Unternehmen selbst führte ein umstrittenes, verdecktes Experiment durch und manipulierte die Nachrichtenfeeds ihrer User, in dem es den Anteil freudiger oder trauriger Nachrichten steigerte.

Forscher der University of California haben nun untersucht, wie sich das „Facebooken“ auf unsere körperliche und seelische Gesundheit auswirkt. Dazu erhoben sie von 5.000 erwachsenen Nutzern aus den USA über drei Jahre regelmäßig verschiedene Informationen. Die Teilnehmer schätzten dabei ihren Glücklichkeits-Zustand selber ein. Über den Erhebungszeitraum stellten die Wissenschaftler fest, dass eine Steigerung von Facebook-Interaktionen („Likes“, Klicks auf Links und Status-Updates) um einen Prozent zu einer Verschlechterung des Wohlbefindens um fünf bis acht Prozent führte.

Es ist nicht die erste Untersuchung, die Zusammenhänge zwischen Facebook und der psychischen Gesundheit erforscht. 2015 fanden Wissenschaftler der University of Houston etwa Hinweise darauf, dass erhöhte Nutzung von Facebook depressive Symptome verstärkt, berichtete Forbes.

Als Ursache identifizierte man die Neigung vieler junger Menschen, sich sozial ständig mit Freunden zu vergleichen, obwohl Facebook-Profile meist nur ein geschöntes Zerrbild des eigenen Lebens transportieren. Niedrige Stimmung und depressive Symptome scheinen mit der Facebook-Nutzung Hand in Hand zu gehen, doch einer der auslösenden Faktoren scheint dabei der soziale Vergleich zu sein.

Zu dem Thema hier ein kurzer Erfahrungsbericht von:
Kati Krause, 33 Jahre alt, lebt in Berlin und arbeitet als Medienberaterin, Autorin und Journalistin. Im Rahmen der Media Convention auf der Netzkonferenz re:publica über das das Thema „Depression und Social Media“. Krause meidet seit ihrer Depression die sozialen Netzwerke.

Krause: Facebook kontrollieren war für mich in der Depression ein Teufelskreis, aus dem ich nicht rauskam. Als gesunder Mensch sagt man sich irgendwann: Ich mache das jetzt zu. In der Depression ist das viel schwerer. Man kann keine Entscheidungen treffen, wie ein gesunder Mensch das tun würde. Das bezieht sich natürlich nicht nur auf meine Nutzung sozialer Medien, sondern alle Lebensbereiche. Die Apps sind auch so gebaut, Nutzer immer wieder anzulocken: Blinkt eine neue Nachricht auf? Habe ich einen neuen Follower? Die Vorfreude, der Dopaminausstoß, währte aber immer nur kurz.

Also raus aus Facebook und glücklicher werden? Weg vom Zeitfresser, raus aus dem Vergleichshamsterrad. Dänische Glücksforscher wollten wissen, ob das geht und haben es mit über 1000 zufällig ausgewählten Menschen getestet. Ergebnis: Ja! Nach einer Woche ohne Facebook waren die Probanden signifikant glücklicher als vorher.

Mit Informationen aus aerzteblatt.de, derstandard.at

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