Lesefaule Kinder: Warum digitales Lesen nicht die Lösung ist

Nina Stec

Nach der Kinder-Medien-Studie 2018 lesen Kinder in Deutschland findet knapp die Hälfte der Kinder in Deutschland Bücher und Lesen spannend. Das grundsätzliche Interesse ist also da, allerdings zeigen Studien wie die internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung aus dem Jahr 2016, dass es um die Lese- und Verständnisfähigkeiten der Schulkinder weniger gut bestellt ist: Fast 20 Prozent der Zehnjährigen haben große Probleme, das Gelesene auch zu verstehen.

Ein Grund dafür liegt in der ausgeprägten Nutzung digitaler Geräte: Während Kinder früher gerne abends vor dem Einschlafen ihre Lieblingsbücher schmökerten, wird heute gerne das Handy mit ins Bett genommen.

Jetzt könnte man meinen, dass dies keine schlechte Entwicklung sei, immerhin lesen die Kinder ja, dann eben auf dem Tablet oder Handydisplay.

So einfach ist das allerdings nicht, zwischen dem „altmodischen“ Seitenblättern und dem „coolen “weiterklicken und schieben auf dem Touchscreen liegen große qualitative Unterschiede:

Gerade beim Lesen von Texten im Netz zeigt sich, dass diese Inhalte häufig möglichst knappt und leicht zugänglich wiedergeben. Das kann nützlich sein, wenn man mal schnell etwas nachschauen muss, und diese Hektik und Schnelligkeit schlägt leider vermehrt auf jüngere Kinder über, allerdings unterbindet es auch eine eigenverantwortliche Auseinandersetzung, die normalerweise beim Bücherblättern erbracht werden muss, um Informationen zusammenzusuchen und zu verarbeiten, dieser Schritt eigener Recherche entfällt dann für die Kinder, da er schon von jemand anderem übernommen wurde.

Die Konsequenz dieser oberflächlichen Beschäftigung mit verkürzten Texten ist, dass Kinder sich das auf diese Weise Gelesene schlechter merken können, es nicht haften bleibt. Außerdem sinkt die Bereitschaft, sich länger intensiv auf einen Text zu konzentrieren, sich auf seinen Inhalt einzulassen. Wer dagegen auf Papier liest, kann Informationen besser verarbeiten und wird sich folglich länger an sie erinnern.

Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Vorteil des gebundenen Buches ist, dass es etwas Physisches und Ästhetisches ist, dass die Kinder anfassen und anschauen können. Viele Bücher sind besonders schön und aufwendig gestaltet und verströmen den einzigartigen Geruch von bedrucktem Papier, sodass es allein deswegen schon viel mehr Freude macht, in ihnen zu lesen als vor dem Bildschirm zu sitzen.

Auch das Herumtragen des Buches und die Verantwortung, keine Eselsohren zu machen oder nichts darüber auslaufen zu lassen und es nicht irgendwo zu vergessen sind lehrreiche Erfahrungen und machen einen großen Teil der intensiven Beschäftigung mit dem Stoff aus. Anhand der Seitenzahlen oder mit Hilfsmitteln wie Lesezeichen können sie außerdem ihren eigenen Lesefortschritt beobachten, also sehen, wie viele Seiten schon gelesen wurden, und wie viele noch fehlen.

Im Gegensatz zum Internet, wo Webseiten mit weiteren Links oft vom Hölzchen aufs Stöckchen führen, ist der Inhalt eines Buches klar begrenzt und fordert die Kinder dazu auf, sich auf eine einzige Sache zu fokussieren.

Der Umwelt zu Liebe müssen Bücher auch nicht unbedingt immer neu gekauft werden, es fördert sogar das Sozialverhalten und die Kommunikationsbereitschaf der Kinder, wenn sie unter Freunden ausgeliehen oder weitergegeben werden.

Quellen:

Die Zeit Online: Wozu brauchen Kinder noch Bücher?

Learnattack.de: Tablets im Unterricht – digitale Unterrichtshilfe oder digitales Spielzeug?

medienkindergarten.wien: Das Tablet im Kindergarten

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