Stuttgart: Protest gegen den Bildungsplan 2015

Sexualerziehung in Deutschland: Rahmenbedingungen, Rechtliche Aspekte, Hauptkonflikte

Mathias von Gersdorff

Die Schulsexualerziehung ist ein Dauerärgernis für viele Eltern in Deutschland. Viele empfinden berechtigterweise, dass die Sexualerziehung übergriffig ist und nicht genügend Rücksicht auf die ethischen und religiösen Ansichten der Kinder und der Eltern nimmt. Zudem werden Lehrer und Schule als anmaßend empfunden, weil sie mehr oder weniger das Erziehungsrecht ignorieren oder als irrelevant behandeln.

Gleichzeitig herrscht große Unkenntnis über die Rahmenbedingungen der Sexualerziehung in Deutschland. In diesem Text soll die allgemeine Lage dargestellt werden und auch erläutert werden, warum die Sexualerziehung in Deutschland regelmäßig für Ärger, Polemik und Proteste führt.

Allgemeine Rahmenbedingungen

Schule und Erziehung liegen in Deutschland komplett in der Verantwortung der Bundesländer. Der Bund darf sich nicht einmischen. Die Schulerziehung ist also eines der wenigen staatlichen Bereiche, in welchem die Bundesländer über völlige Autonomie verfügen. Dies gilt auch für die Schulsexualerziehung.

Jedes Bundesland hat in der Vergangenheit Richtlinien oder Orientierungshilfen erlassen, die recht unterschiedlich sein können, sowohl im Inhalt, wie auch in der Verbindlichkeit. Das bedeutet, dass Eltern in unterschiedlichen Bundesländern mit unterschiedlichen Erlassen konfrontiert werden.

Große Autonomie der Schulen und der Lehrer

Die erlassenen Richtlinien sind normalerweise allgemein gehalten und beinhalten eine Liste der Themen, die im Unterricht vorkommen sollten.

In den letzten Jahren wurde in fast allen Bundesländern die Thematik um Gender bzw. „sexuelle Vielfalt“ erweitert, wodurch schon Inhalte wie Homosexualität, Transsexualität, Bisexualität etc. behandelt sollen.

Allerdings sind Schulen und Lehrer recht autonom in der Gestaltung der konkreten Unterrichtsstunden.

Weil die Themenliste in den Lehrplänen so groß ist, kann ein durch und durch ideologisierter Lehrer die komplette Gender-Agenda behandeln und sich dabei auf die Lehrpläne berufen. Ein konservativer oder christlicher Lehrer kann wiederum diese Inhalte auf ein Minimum reduzieren.

Welche Rechte haben Eltern?

Die Schulsexualerziehung führt mehrmals zu rechtlichen Auseinandersetzungen. Auch die obersten deutschen Gerichte haben sich damit auseinandergesetzt und schließlich entschieden, dass die ethischen, religiösen und philosophischen Ansichten der Eltern in der Sexualerziehung zu berücksichtigen seien. Die Rechtsprechung ist umfangreich und wird in diesem gesonderten Artikel ausführlich beschrieben: https://www.aktion-kig.eu/2018/10/eltern-im-konflikt-mit-der-schulsexualerziehung-der-rechtliche-rahmen/

Allerdings müssen die Eltern auch bereit sein, ihre Rechte beim Elternabend wahrzunehmen.

Viele Eltern wissen gar nicht, dass sie ein Mitspracherecht haben. Andere meinen, sie wären isoliert und trauen sich nicht, ihre Ansichten zu äußern.

Es ist absolut notwendig, dass sich die Eltern besser über ihre Rechte informieren und sich auch organisieren um gemeinsam ihre Meinung zu artikulieren.

Denn es ist auch so, dass es wenige Eltern gibt, die eine freizügige Sexualkunde befürworten.

Schulfremde Gruppen

Einige Schulen landen schulfremde Gruppen, wie etwa „Pro Familia“ oder LSBTI-Gruppen, ein. Diese sind in der Regel ultra-liberal und vertreten sehr radikale Positionen hinsichtlich Sexualität, Gender etc. Eine halbwegs objektive Darstellung der Inhalte kann nicht angenommen werden, denn diese Gruppen sind fast ausnahmslos auch politisch aktiv und wollen ihre Ansichten gesellschaftliche und politische Sichtbarkeit geben. Kurz: Sie betreiben Propaganda in eigenem Interesse.

Eltern müssen mit allen Kräften vermeiden, dass solche Gruppen in die Schulen eingeladen werden. Eltern dürfen nicht übergangen werden.

Schulbuchverlage

Ein weiteres Problem sind manche Schulbuchverlage, die teils graphisch oder ideologisch inakzeptable Inhalte abdrucken. Viele Lehrer sind mit den Inhalten, die die Lehrpläne vorgeben schlicht und ergreifend überfordert und greifen nach Büchern und Vorlagen von Verlagen, die sie von anderen Fächern kennen.

Einflüsse bundesdeutscher Stellen

Obwohl die Schulerziehung ausschließlich in der Verantwortung der Bundesländer liegt, ist es nicht so, dass staatliche Behörden nicht versuchen, einen Einfluss in der Sexualerziehung zu gewinnen. Dabei spielen linksideologische Motive eine große Rolle. In der Vergangenheit war eines der wichtigsten Bundesbehörden zur Propagierung einer ultra-permissiven Sicht von Sexualität, inklusive Abtreibung, die „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“. Ihre Materialien können kostenlos bestellt werden.

Inzwischen ist auch das Bundesfamilienministerium selbst aktiv geworden und bietet ultra-liberale Informationen zu Gender und Sexualität an.

Grundsätzliche Erwägungen

Sexualerziehung ist eigentlich Angelegenheit der Eltern. Diese sollten diese Aufgabe in die Hand nehmen, denn nur sie haben die nötigen Kenntnisse über ihre Kinder und die erforderlichen psychologischen Fähigkeiten, um dieses sensible Thema zu behandeln.

Allein aus diesem Grund kann grundsätzlich in Frage gestellt werden, ob Schulsexualerziehung überhaupt existieren sollte.

In Deutschland ist darüber hinaus die Tatsache problematisch, dass die Sexualerziehung Anfang der 1970er Jahre im Geiste der „emanzipatorischen Sexualerziehung“ eingeführt wurde. Diese war geprägt von den Maximen der 1968er-Revolution und der Sexuellen Revolution. Die „emanzipatorische Sexualerziehung“ strebt die Befreiung des Menschen von christlichen und Bürgerlichen Moralvorstellungen über die Sexualität an.

Die Lehrpläne zur Sexualerziehung, die Anfang der 1970er Jahre eingeführt wurden, bilden die Grundlage aller späteren Lehrpläne (wenngleich Vieles entideologisiert wurde). Dieser – wenn man so will – „Geburtsfehler“ der deutschen Schulsexualerziehung wurde niemals behoben. Stets wurden die Ideen über Sexualität inkorporiert, die in linksintellektuellen Milieus gerade Mode waren. Jede neue Generation von Pädagogen und Schulpolitikern den Anspruch, „ihre“ ideologischen Vorstellungen zur menschlichen Sexualität zu implementieren.

Aufgrund dieser Tatsache ist die Schulsexualerziehung in Deutschland praktisch nicht reformierbar. Auf Dauer sollten Strategien entwickelt werden, die Sexualkunde zu einem Wahlfach zu machen und Eltern ihre Kinder davon befreien können. (Ausführlich: https://www.aktion-kig.eu/2019/06/ist-die-sexualerziehung-in-deutschland-noch-zu-retten/

Foto: Stuttgart: Protest gegen den Bildungsplan 2015 im März 2014, Mathias von Gersdorff

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