Ausgrenzung, Mobbing und Gewalt vergiften das Klima in der Grundschule

Nina Stec

Nach einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung leiden 30 Prozent der Grundschüler in Deutschland in ihrem Schulalltag unter dem Verhalten ihrer Mitschüler. Dieses reicht vom vermeintlich schlichten „Ignoriert werden“ – was auch eine Form von Mobbing und Ablehnung darstellt, da es den Betroffenen signalisiert, ungewollt und nicht liebenswert zu sein, über verbale Angriffe wie Beleidigungen, bis hin zur körperlichen Gewalt.

Seit den 1990er Jahren sei der Umgang im Schulbetrieb zunehmend rauer geworden, insbesondere die Intensität der Verbalattacken habe zugenommen. Die Gründe für diesen Anstieg sind vielfältig, allerdings scheint der häufig rohe und unhöfliche Umgangston in den Medien wie Internet und Fernsehen und eine Verschlechterung des gesellschaftlichen Klimas und der allgemeinen Umgangsformen, eine große Rolle zu spielen, da dieser von den Kindern aufgegriffen und imitiert werde.

Betroffene Kinder fühlen sich folglich oft nicht sicher in ihren Schulen, in denen sie, vor allem im Zusammenhang mit dem Ausbau der Ganztagsschulen, häufig einen Großteil des Tages in unmittelbarer Gemeinschaft mit ihren Angreifern verbringen müssen.

Eine frühe Abneigung gegen die Schule, Angst und Minderwertigkeitsgefühle in Bezug auf andere gleichaltrige Kinder und ein niedriges Selbstbewusstsein können Folgen sein, die auch das spätere Leben auf negative Weise prägen können.

Die Aussagen betroffener Kinder sollten in jedem Fall ernst genommen werden. Gerade im Grundschulalter sei laut der Studie das Vertrauen in die Lehrer noch gut ausgeprägt, 75 Prozent der Achtjährigen geben demnach an, zu glauben, dass ihnen ihre Lehrer zuhören. Bei älteren Kindern und Jugendlichen sinkt dieser Wert erheblich. Das Vertrauen von den eigenen Eltern ernstgenommen zu werden, bleibe dagegen beständig hoch.

Neben dem Ernstnehmen der Opfer – erschreckenderweise fühlen sich 10 Prozent der betroffenen Kinder mit ihren Sorgen alleingelassen und vernachlässigt- wird empfohlen, das soziale Miteinander und den Bewegungsdrang der Kinder in den Schulen zu stärken, um ein ausgeglicheneres, freundlicheres Verhalten zu erzielen.

Doch auch außerhalb der Schule sollten Eltern darauf achten, mit welchem Umgangston ihre Kinder aufwachsen und sie gegebenenfalls vor schlechten Umgang in Medien, aber auch mit besonders „wüsten“ Personen zu schützen und ihnen reflektiert beibringen und vorleben, warum etwa Tugenden wie gegenseitige Wertschätzung und Freundlichkeit erstrebenswert sind und zu einem guten Gefühl und einer positiveren Lebenseinstellung beitragen.

Quellen:
https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-07/studie-kinder-jugendliche-gewalt-mitbestimmung-schulen
https://www.waz.de/politik/grundschueler-machen-haeufig-erfahrung-mit-gewalt-id226372789.html
https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-07/studie-kinder-jugendliche-gewalt-mitbestimmung-schulen

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