Anstieg an Depressionen bei Kindern und Jugendlichen

Nina Stec

Eine Studie der Barmer Ersatzkasse zeigt: Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden an Depressionen. Die Zahlen aus den Jahren 2005-2017 ergeben, dass insgesamt 190000 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren betroffen sind. Die Diagnose Depression habe sich seit 2005 bei den  10- bis 14-Jährigen mehr als verdoppelt, bei den 15- bis 18-Jährigen seien es sogar zweieinhalb Mal so viele.

Die Dunkelziffer undiagnostizierter Depressionen dürfte weitaus höher sein, zudem befindet sich nur ein Bruchteil der tatsächlich Behandlungsbedürftigen in Therapie, da Depressionen bei Minderjährigen häufig nicht erkannt oder nicht ernstgenommen wird. Außerdem äußern sie sich bei ihnen meistens anders, als bei Erwachsenen, an Stelle einer sozialen Isolierung tritt häufig ein aggressives Verhalten zu Tage. Eine rapide Verschlechterung der Schulleistungen, Konzentrationsschwäche und Lustlosigkeit in Verbindung mit mangelndem Selbstbewusstsein und einem allgemeine hoffnungslos düsteren Weltbild „alles ist sinnlos“ sind ebenfalls häufige Erscheinungsformen. Bei Jugendlichen treten zudem oft noch Schlaf- und Appetitstörungen, zuweilen selbstverletzendes Verhalten „ritzen“ und Selbstmordgedanken auf.

Die Betroffenen wissen manchmal selbst nicht genau, woher ihr anhaltendes Unwohlsein, die Traurigkeit und ihre negativen Gedanken kommen. Die Ursachen von Depressionen sind vielfältiger Natur. Kinder aus Familien, in denen bei anderen Angehörigen bereits Depressionen vorkamen, gelten als besonders gefährdet, sodass Forscher von der Möglichkeit einer genetischen Veranlagung ausgehen. Häufige externe Faktoren sind Trauerfälle in der Familie, die Scheidung der Eltern oder Traumata durch sexuellen Missbrauch oder körperliche Misshandlungen. Hinzu kommen vermehrt Leistungsdruck und Mobbingsituationen in der Schule.

Depressionen bei Minderjährigen gelten im Grunde als gut heilbar, wenn  Kinder und Jugendliche aber selbst nicht wissen, was mit ihnen los ist und sich nicht trauen über ihre Lage zu sprechen, aus Angst, nicht verstanden und nicht ernst genommen zu werden, wird die Heilung erschwert. Da sich die Probleme aus dem Jugendalter nicht einfach herauswachsen, sondern ins Erwachsenenalter mitgenommen werden, können chronische Depressionen die Folge sein. Zudem ist Selbstmord nach Unfällen die zweithäufigste Todesursache im Kindes- und Jugendalter.

Deswegen gilt hier, rechtzeitig zu handeln und einer Festigung der Probleme vorzubeugen. Regelmäßige Bewegung, sportliche Betätigung und die Einführung fester Rituale in das alltägliche Familienleben können Kindern Halt, Selbstdisziplin und Grund zur Freude, geben. Auch ein Gefühl der Vertrautheit und Geborgenheit kann Kindern und Jugendlichen Sicherheit geben, sich ihren Eltern und erwachsenen Bezugspersonen anzuvertrauen. In schwerwiegenden, andauernden Fällen von Depressionen kann es allerdings unumgänglich werden, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Quellen:

https://www.swr.de/swraktuell/Studie-der-Barmer-Ersatzkasse-Immer-mehr-Kinder-und-Jugendliche-haben-Depressionen,depressionen-kinder-100.html https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/depressionen/ https://www.kinder.de/ratgeber/schule-lernen/lernprobleme/depressionen-bei-schuelern/
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