Falsche Vorbilder auf Instagram, Facebook und Co: Immer mehr Kinder und Teenager magersüchtig

Christiane Jurczik

Instagram ist bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Die App gehört zum Facebook-Konzern und die Kritik ist groß: das Soziale Netzwerk steht in der Kritik, weil dort ein ungesundes Körperbild und Schönheitswahn vermittelt werden, Metadaten werden für Werbezwecke genutzt.

Selten hatte „Bestätigung“ einen so hohen Stellenwert wie in der heutigen Gesellschaft. Gerade für junge Mädchen scheint der Konkurrenzdruck der „Schönheit“ immer weiter zuzunehmen. Dabei wird insbesondere den sozialen Netzwerken von diversen Experten ein hoher Schuld-Faktor zugesprochen – doch auch die Modeindustrie trägt ihren Teil dazu bei, dass immer mehr Mädchen (aber auch Jungen) aus Verzweiflung mit dem krankhaften Hungern beginnen oder andere Essstörungen entwickeln.

Vom Jahr 2000 bis zum Jahr 2014 haben sich die diagnostizierten Fälle von Anorexie fast verdoppelt und sie steigen kontinuierlich an. Als Anorexie bezeichnet man die Appetitlosigkeit beziehungsweise auch die „Herabsetzung des Triebes zur Nahrungsaufnahme“. Die Magersucht ist eine psychisch bedingte Sonderform der Anorexie.

Wie konnte es in den letzten Jahren zu einem so rasanten Anstieg der Fälle kommen?

Tausende Likes hier, unzählige Follower da: Für viele (gerade junge) Leute sind die sozialen Netzwerke das Ebenbild der eigenen Identität in der digitalen Welt. Und wer in den sozialen Netzwerken als Etwas oder Jemand gelten möchte, braucht Fans. Je mehr, desto besser. Häufig geht es um Luxus und Reichtum, vor allem aber um Schönheit:

Eine neue Studie beweist nun, dass genau das zu Problemen führen kann. Denn häufige Nutzer der Netzwerke haben ein erhöhtes Risiko, sich in ihrem eigenen Körper nicht mehr wohl zu fühlen…

Das regelmäßige Einloggen bei Facebook, Snapchat, Instagram und Co hat dazu geführt, dass heute insbesondere Jugendliche nicht selten mehrere Stunden am Tag damit verbringen, sich Fotos anzuschauen, Kommentare zu lesen und auch selbst händeringend nach Bestätigung zu suchen.

Der Zusammenhang zwischen Sozial-Media-Konsum und Essstörungen

Experten warnen dabei bereits seit Jahren vor den möglichen Folgen durch den Konsum solcher Medieninhalte. Laut einer Studie machen sich gerade Teenager und jüngere Erwachsene Sorgen um ihre Ernährung – meist weil sie mit ihrem Selbstbild nicht zufrieden sind.

Dass auch traditionelle Medien wie beispielsweise TV-Shows, Werbungen und Modezeitschriften den Konsumenten in eine überkritische Selbstwahrnehmung führen können, ist ebenfalls seit längerem bekannt: Die inszenierten mageren Models mit eingefallenen Gesichtszügen, die teilweise an den Körper eines schlaksigen, 12-jährigen Knaben erinnern, werden als das Schönheitsideal der Modeindustrie verkauft.

Designer und Werbemacher (die ohnehin manchmal über etwas eigenartige Geschmäcker verfügen) haben es geschafft, durch ihre Arbeit ganze Generationen fehlzuleiten.

Durch die sozialen Medien kommt jedoch eine weitere, fatale Komponente hinzu: Sie ermöglichen eine rasante Verbreitung der falschen Ideale über den gesamten Globus – angetrieben durch Likes, Kommentare und Follower.

Die Forscher kamen durch die Auswertung ihrer Ergebnisse zu dem Schluss, dass eine häufige Nutzung der sozialen Netzwerke keinen guten Einfluss auf die Nutzer hat. Personen, die besonders viel Zeit im Netz verbrachten, hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko, sich um Körperbild und Ernährung Sorgen zu machen.

Krankheitsbild

Magersucht zählt zu den bekanntesten Essstörungen und erscheint am häufigsten bei jungen Mädchen. Der Heilungsprozess variiert. Er kann innerhalb von ein paar Monaten erfolgen, bei bis zu 15% der Betroffenen endet diese Krankheit jedoch tödlich (vgl. Schuster 2011: 11). Magersüchtige nehmen ihr dünnes Körperbild nicht wahr und fühlen sich kontinuierlich zu dick. Dies ist der Grund, warum sie das Hungergefühl unterdrücken und stetig abnehmen wollen (vgl. Bagli 2010: 10ff). Wenn sie auf ihr kachektisches Erscheinungsbild angesprochen werden, fallen ihnen ständig neue Ausreden ein. Ein Beispiel wäre eine Erkrankung, von der sie sich noch nicht ausreichen erholt hätten (vgl. Simchen 2010: 32).

Risiken für Kinder und Jugendliche

Auch wenn junge NutzerInnen ihre Fotos und Videos nur im kleinen, privaten Instagram-Kreis teilen, können andere das Material problemlos, beispielsweise durch direkte Aufnahmen des Bildschirms (Screenshots), speichern und online verbreiten. Gerade Heranwachsende, die sich dessen nicht bewusst sind, können so Opfer von Cybermobbing werden. Hier gilt die Regel: Erst denken, dann posten. Nur Bilder und Clips veröffentlichen, die auch problemlos in der Zeitung oder im Fernsehen zu sehen sein könnten.

Die Nachrichtenfunktion Instagram Direct, aber auch die Kommentarfunktion bei öffentlichen Profilen, bergen jeweils Risiken für Cybergrooming. Um dem vorzubeugen, sollte das Profil auf privat gestellt werden und Nachrichten-Anfragen von Unbekannten ignoriert werden.

Instagram ist so voreingestellt, dass die eigenen Beiträge automatisch öffentlich sind. Die Privatsphäre-Einstellungen sollten daher im Bereich „Profil bearbeiten“ auf erhöhten Schutz eingestellt werden. Instagram empfiehlt Nutzern sich mit den eigenen Profilen anderer Netzwerke zu verbinden. Dies ist bezeichnend, da Instagram seit 2012 zu Facebook gehört, genau wie mittlerweile auch WhatsApp. Die Verbindung zu anderen Netzwerken kann jedoch den Datenschutz weiter gefährden, gerade wenn der Account gehackt und ausspioniert wird. Metadaten werden für Werbezwecke analysiert.

An den besten achten Eltern darauf, welche Bilder und Clips ihr Kind mit wem teilt und gehen selbst mit gutem Beispiel voran.

Eltern können ihr Kind bestärken, sich nicht unter Druck gesetzt zu fühlen, wie manche Stars auf Instagram ständig zu posten und auf freizügigen Bildern zu viel preiszugeben – es ist eine Frage des Selbstwertgefühls, wie viel meine Eigenwahrnehmung von der Anerkennung anderer abhängt. Wichtiger als das nächste „Gefällt mir“ ist, den Moment zu genießen, gerade in Freizeit und Urlaub.

Mit Informationen aus: https://www.schau-hin.info, https://www.grin.com

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