Konflikt der Generationen: Ist Kindererziehung schwieriger geworden?

Christiane Jurczik

Kinder zu erziehen, ist eine schöne und verantwortungsvolle Aufgabe. Wie Kinder aber erzogen werden sollen, ist für Eltern mit unzähligen Fragen verbunden. Viele Eltern sind verunsichert und fühlen sich mit ihrer Unsicherheit alleine gelassen.

Einen Grund für die wachsende Verunsicherung vermutet Cornelia Nitsch, Autorin von Erziehungsratgebern und selbst Mutter von vier Söhnen, in den Kleinfamilien von heute: „Früher gab es die Großfamilie, da konnten Eltern sich bei den Groß- oder Urgroßeltern schnell einen Rat holen.

Eine weitere Schwierigkeit ist, dass es keine allgemein gültigen Regeln mehr gibt. Früher mussten Kinder viel strengere Gesetze befolgen. Mädchen mussten beispielsweise bei der Begrüßung von Erwachsenen einen Knicks machen, Jungen eine leichte Verbeugung. Bei Tisch durften viele Kinder gar nicht sprechen.

Solch strenge Verhaltensregeln sind heute passé. Die Spielräume sind größer geworden. Darum stellt sich den Eltern stärker die Frage nach dem passenden Erziehungsstil.

Die richtige Erziehung oder die falsche Erziehung gibt es nicht. Es kommt im Familienalltag auf die Besonderheiten von Kind und Eltern an. Dennoch gibt es einige Grundvoraussetzungen für eine gute Erziehung. Ganz wichtig ist die Liebe zum Kind. Eltern sollten Freude daran haben, ihr Kind zu erziehen und die Beschäftigung mit ihm nicht als Belastung sehen.

Auch wenn die Erziehung eine große Verantwortung darstellt, kann sie viel Spaß bereiten. Besonders wichtig ist, das Kind in seiner Persönlichkeit zu achten. Eltern sollten auf ihre Kinder eingehen, ihnen zuhören und ihre Bedürfnisse und Interessen ernst nehmen.

Gerade der antiautoritäre Erziehungsstil, der Kindern keine Grenzen setzt, hat heute einen schlechten Ruf, der sich zwischen Verwahrlosung und Verhätschelung bewegt. Der demokratische Erziehungsstil hingegen gilt aktuell als der Stil, der sich am positivsten auf das Kind auswirkt. Eltern tragen die Verantwortung, gewähren den Kindern aber Freiheiten und Mitspracherecht, was früher undenkbar erschien.

Gibt man bei Amazon in der Kategorie Bücher die Schlagworte „Ratgeber Eltern Kinder“ ein, kommt man auf ganze 7600 Treffer. Das Wissen über die Entwicklung ist also da – theoretisch. Doch scheint es so, als ob man umso unsicherer wird, je mehr man weiß. Theorien, wieso das so ist, gibt es mehrere: Zum einen scheint die Masse an unterschiedlichen, sich teils auch noch widersprechenden Informationen zu Verwirrungen zu führen – und das eliminiert das eigene Bauchgefühl.

Wolfgang Bergmann, Erziehungswissenschaftler, ist einer der bekanntesten Kindertherapeuten in Deutschland. Er hat eine Praxis in Hannover, ist Autor vieler Elternratgeber und ein gefragter Referent bei wissenschaftlichen Kongressen und Veranstaltungen über Erziehungsprobleme und Kindertherapie.

„Alle Kinder lieben ihre Eltern. Diese Liebe ist unsterblich. Darauf können Mütter und Väter bauen. Auf moralische Sätze und ständige Ermahnungen sollten Eltern allerdings verzichten. Sie hinterlassen damit nämlich keine Wirkung. Was zählt, ist vielmehr die Art und Weise, wie Mutter oder Vater ihr Kind anschauen, wie sie ihm das Frühstücksbrot schmieren oder es zu Bett bringen. Eltern sollten ihrer Intuition vertrauen und aufhören, ständig auf andere zu schauen“, sagt Wolfgang Bergmann.

Sozialpolitiker und bürokratische Institutionen haben in unserer Gesellschaft offenbar ein unerschöpfliches Interesse daran, jungen Familien die äußeren Lebensbedingungen zu erschweren. Solche Sorgen kann sich eine Mutter in den ersten Lebensmonaten ihres Kindes gar nicht leisten. Jede finanzielle Krise -und ich kenne kaum eine junge Familie, die nicht von einer Krise zur anderen taumelt – mindert ihre Aufmerksamkeit, ihre Feinfühligkeit für das Kind. In einer kinderfreundlichen Gesellschaft, die eingebettet wäre in einer familienfreundlichen Kultur, würde man sich sehr viel mehr auf die elterlichen Gefühle verlassen können.

Aber so ist unsere Gesellschaft nicht. Sie ist Kindern und Familien gegenüber feindlich gestimmt. Sie behindert und begrenzt Familien. Permanent fällt aus der sozialen Kultur unserer Zeit ein Kälteschatten auf das Leben der Familien. Nicht alle Eltern haben die Kraft, sich gegen sie zu schützen. Oft werden gerade die kältesten, gefühllosesten Normen und Forderungen, die aus einer erstarrten Leistungskultur stammen, von unerfahrenen jungen Eltern verinnerlicht. Sie glauben dann wirklich, dass ein Kind mit zwei Jahren sprechen muss oder unbedingt ein Sprachförderprogramm benötigt.

Können Eltern nicht mehr Nein sagen?

Viele Eltern sind heute regelrecht harmoniesüchtig. Dabei steht ein konsequentes Nein der Eltern am Anfang einer geordneten Vernunft und in gewisser Weise auch am Anfang der bewussten kindlichen Sprache. Wo Eltern aber versuchen, das Kind harmonieselig mit sich in Eintracht zu halten und gleichzeitig bemüht sind, ihm alle Widrigkeiten aus dem Weg zu räumen, da bleibt die Welt des Kindes im Chaos verhaftet. Mütter und Väter sollten also gelegentlich Nein sagen und dies konsequent zum Ausdruck bringen. Schon Einjährige müssen lernen, dass die Welt und ihr Wille nicht unbedingt übereinstimmen. Aber gleichzeitig darf das Nein der Eltern niemals hart und abrupt ausfallen, sondern einfach nur konsequent.

Grenzen setzen

Eltern sind mehr als nur die Freunde ihrer Kinder. Als Erwachsene tragen sie die Verantwortung für das Kind und geben die Richtung vor. Darum sollten sie sich nicht davor scheuen, dem Kind Regeln zu geben und Grenzen zu setzen.

Viele Erziehungsexperten halten klare Vorgaben und Regeln für Kinder für den besten Weg. Kinder brauchen verlässliche Angaben, nach denen sie sich richten können.

Mit Material aus:

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