Billiger Rausch: Neue Partydroge Lachgas

Christiane Jurczik

Sie inhalieren es aus einem Luftballon oder saugen es aus einem Sahnespender: Das führt zu einem kurzen Rausch von 30 Sekunden bis höchstens einigen Minuten. Konsumenten berichten von verstärkten Sinneseindrücken und einem Kribbeln am ganzen Körper. Manche kichern unbändig.

Für den schnellen Rausch atmen immer mehr junge Menschen in Europa Lachgas ein. Die Droge selbst ist vergleichsweise kostengünstig. Und sie ist legal. In den Niederlanden wächst der Handel mit dem Gas, mit dem früher Zahnärzte ihre Patienten betäubt haben. Suchtexperten sind zunehmend in Sorge. Der Konsum von Lachgas hat in den Niederlanden drastisch zugenommen. Experten sind alarmiert und warnen vor dem großen Risiko der Einnahme.

Unternehmer Mathieu Hölzken setzt auf die Welle. Er preist sein Geschäft „Falsche Luft“ als den „ersten echten Lachgas-Laden der Niederlande“ an. Es liegt in der niederländischen Grenzstadt Venray, nur einen Katzensprung von Krefeld oder Mönchengladbach. Dort verkauft der 48-Jährige einen kurzen Rausch aus dem Ballon. Das Ganze kostet fünf Euro. Hölzkens Kunden können sich auf alten Kinostühlen berauschen, dazu lacht von den Wänden ein riesiger Smiley Tränen – das Firmenlogo. Venrays Bürgermeister Hans Gilissen lacht nicht: „Wir können nicht so viel dagegen tun, nur warnen, dass es Risiken gibt.“

Der Missbrauch des Gases ist nicht ungefährlich

Das Nationale Informationszentrum für Vergiftungen in Utrecht meldet: Die Zahl der Vergiftungen durch Lachgas sei sprunghaft angestiegen. 2015 gab es noch insgesamt 13 Fälle, im ersten Halbjahr des Jahres 2019 waren es bereits 67 gemeldete Fälle. Laut dem niederländischen Sucht-Bericht hat jeder fünfte Jugendliche zwischen 20 und 24 Jahren schon Lachgas inhaliert. Auch in der Gruppe der bis zu 35-Jährigen wird die preiswerte Party-Droge zunehmend beliebter.

Es geht um Schwindelanfälle, Übelkeit und Lähmungserscheinungen. Immer mehr Städte schlagen Alarm, fordern ein Verbot. Das Gesundheitsministerium prüft, den Verkauf zu reglementieren.

Das Problem gibt es auch in Deutschland

„Lachgas ist bei manchen Jugendlichen durchaus ein Thema“, sagt Dr. Bernd Werse, Drogenforscher an der Goethe-Universität, gegenüber SWR3. Es sei aber nicht neu – im Umfeld der Techno-Bewegung wurde Lachgas in Deutschland schon vor mehr als 20 Jahren konsumiert.


Werse schätzt, dass Lachgas in vielen Fällen als eine Art Mutprobe oder einmalig ausprobiert wird. „Meistens handelt es sich um Probierverhalten.“ Eine Studie von Drogenforschern der Universität Frankfurt machte 2018 deutlich, dass sich die Zahl jugendlicher Lachgas-Konsumenten in drei Jahren verdoppelt habe. Demnach hatten 12 Prozent der Jugendlichen schon mal Lachgas ausprobiert.

Das Lachen kann einem recht schnell vergehen. Bei „durchschnittlichem Konsum“ von fünf bis zehn Kapseln einmal im Monat ist die Partydroge nach Angaben des Gesundheitsamtes relativ ungefährlich. Aber in Kombination mit Alkohol oder anderen Drogen und vor allem bei exzessiven Konsum könne das Gas zu dauerhaften Schäden im zentralen Nervensystem und zu Lähmungen führen. Und immer mehr Niederländer würden bis zu 50 Kartuschen am Tag inhalieren und das über einen längeren Zeitraum, heißt es im jüngsten Bericht zu Vergiftungen.

Mit Informationen aus ZDF und FAZ-Online

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