Dose mit weißen Pillen

Immer häufiger klagen Schüler über Kopfschmerzen

Christiane Jurczik

Aus einer Umfrage der Barmer Krankenkasse geht hervor, dass jeder vierte Schüler mindestens einmal pro Woche Kopfschmerzen hat. Demnach greifen 40 Prozent der betroffenen Kinder (9-19 Jahre) bei Kopfschmerzen zu Medikamenten.

Wenn Kinder und Jugendliche über Kopfschmerzen klagen, liegt das häufig an Muskelver­spannungen. Spannungskopfschmerzen sind bei 9- bis 19-Jährigen laut der Umfrage am häufigsten. Mehr als ein Viertel der Betroffenen hat demnach während des Unterrichts oder nach Schulschluss Kopfschmerzen.

Die Krankenkasse sieht vor allem auch den hohen Schmerzmittelkonsum bei Heranwachsenden kritisch. „Denn auch von rezeptfreien Schmerzmedikamenten können Kinder und Jugendliche ab­hängig werden“, warnte Heiner Beckmann, Landesgeschäftsführer der Barmer. Die meisten Eltern greifen schnell zu frei verkäuflichen Schmerzmitteln, die auch in der Regel schnell Linderung verschaffen. Werden sie allerdings zu oft eingenommen – über ein Vierteljahr mehr als zehnmal im Monat – verursachen sie selbst Kopfschmerzen.

Kinder und Jugendliche leiden häufig unter Kopfschmerzen: Das folgt aus der Begleitforschung zur bundesweiten „Aktion Mütze – Kindheit ohne Kopfzerbrechen“. Danach leiden mehr als 70 % der Schüler in Deutschland unter wiederkehrendem Kopfschmerz.

Wer denkt, chronische Kopfschmerzen seien ein reines Erwachsenenproblem, liegt falsch. Denn wiederkehrendes Kopfweh ist laut einer Befragung bereits unter Schülern weit verbreitet – und trifft Mädchen deutlich häufiger als Jungen.

Experten des Deutschen Kinderschmerzzentrums an der Kinder- und Jugendklinik in Datteln haben knapp 2300 Kinder und Jugendliche in städtischen Regionen in Nordrhein-Westfalen befragt. Diese gingen in die fünfte bis zehnte Klasse.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Rund 40 Prozent litten nach eigener Angabe an chronischen Schmerzen, insbesondere an chronischem Kopfschmerz. Chronisch heißt nach gängiger Definition, dass die Pein seit mindestens drei Monaten mindestens einmal im Monat auftritt.
  • Über chronische Kopfschmerzen klagte mehr als jeder vierte Schüler (27 Prozent). Mädchen waren mit 35 Prozent viel häufiger betroffen als Jungen mit 18 Prozent.
  • Unter den Schülern mit chronischen Kopfschmerzen erlebten 80 Prozent diese mindestens einmal pro Woche.
  • Gut jeder Dritte mit wiederkehrendem Kopfschmerz verpasste deshalb auch Schulunterricht.
  • Neben Kopfschmerzen haben die Kinder und Jugendlichen auch häufig von Muskel- und Gelenkschmerzen (20 Prozent) sowie Bauchschmerzen (18 Prozent) berichtet.

Dass Mädchen häufiger von Kopfschmerz betroffen sind, hat wohl ebenso biologische Gründe – etwa das Einsetzen der Menstruation – wie psychologische und emotionale.

Hoher Medikamentenkonsum überraschend und alarmierend

Gut drei Viertel der Kinder und Jugendlichen mit chronischem Kopfschmerz sagten, dass sie in den vergangenen drei Monaten Medikamente genommen hätten – und zwar im Durchschnitt an vier Tagen im Monat. In rund 13 Prozent der Fälle sogar an sieben Tagen. Mädchen greifen dabei laut der Studie häufiger zu Schmerzmitteln als Jungen. „Der hohe Medikamentenkonsum hat uns überrascht und ist alarmierend“, sagt Studienleiterin Julia Wager.

Mit Informationen aus Ärzteblatt online und Spiegel online.

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