Immer mehr Kindern fehlt soziale Kompetenz

Christiane Jurczik

Wie kann es überhaupt einen Mangel an Sozialkompetenz geben?

In einem gewissen Umfang gehören oppositionelles Trotzverhalten und dissoziale Verhaltensweisen (z.B. Lügen, kleinere Diebstähle, gelegentliche körperliche oder verbale Auseinandersetzungen) zu normalen Entwicklungsphasen bei Kindern. Sie dienen der Erkundung des eigenen Einflusses, der Abgrenzung sowie der Identitätsentwicklung der Kinder. Dem Großteil der Kinder gelingt es, im Verlauf der Entwicklung ihre aggressiven und antisozialen Impulse zu kontrollieren. Einem kleineren Teil der Kinder gelingt die Impulskontrolle, Reifung und Sozialisation eben nicht oder nur ungenügend.

Soziale Kompetenzen lassen sich nicht wie ein klassisches Schulfach lernen! Das noch so breite theoretische Wissen darüber bringt einem die hierfür notwendigen Fähigkeiten kaum näher.

Soziale Kompetenzen erwerben wir am besten als Kinder und Jugendliche – und auch danach, wenn wir:

  1. genügend Zeit mit ihrerseits sozial kompetenten Vorbildern verbringen können und
  2. genügend Zeit und Muße für interaktive, sich selbst entwickelnde Spiele und Aktionen mit anderen unseres Alters- und Interessengruppen haben.

Es ist dieses beobachtende Lernen und das erfahrungsorientierte Lernen – durch Versuch und Scheitern – in unserer natürlichen Umgebung, das zum Erfolg führt, wenn die Voraussetzungen hierfür erfüllt sind.

Eine kluge Frage mit kluger Antwort beschreibt dieses alte Sprichwort: Wie viele Menschen braucht es um ein Kind groß zu ziehen? Antwort: Ein ganzes Dorf!

Der Haken an alldem ist nur: Solche „Dörfer“ gibt es viel zu selten. Daher mangelt es oft an geeigneten Vorbildern für Heranwachsende.

Zunehmend leben Jugendliche mehr neben als mit ihren gestressten Eltern, und die neuen Medien absorbieren möglicherweise dann auch noch die letzten Reste eigentlich noch vorhandener gemeinsamer Möglichkeiten.

In der schulfreien Zeit laufen Kinder nur noch selten einfach aus dem Haus, um sich draußen überraschen zu lassen, sondern von Nachhilfe (auch für die guten Schüler!), zusätzlichen Sprachkursen, drei Mal wöchentlichem Judo-Training, Klavierunterricht und Dates mit Freunden hin und her. Vieles davon eigentlich schöne Sachen, nur eben alles zu viel. Und schon drei Wochen vor den Ferien sagen sie, ganz wie ihre gestressten Eltern: „Ich kann nicht mehr, ich brauche Urlaub.“ Den Kindern fehlt Muße und unverplante Zeit.

Es ist kein Wunder wenn die Schulen und Arbeitgeber beklagen, dass es um die Sozialkompetenzen des Nachwuchses oftmals nicht gut bestellt ist. Es fehlte schlicht Zeit und Gelegenheit, diese zu entwickeln.

Für die Schulen gibt es einige gute Ideen, Vorschläge und Pilotprojekte, wie die Förderung sozialer Kompetenzen in den Schulalltag und in die einzelnen Fächer integriert werden könnte – verbindlich umgesetzt haben sie davon kaum etwas.

Mit Informationen aus „Neurologen und Psychiater im Netz“ und „Media Hugendubel“

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