Schule: Anzahl der Schulabbrecher ist gestiegen

Nina Stec

Es ist eine zweischneidige Entwicklung: Während auf der einen Seite immer mehr Schüler das Abitur erreichen und die Bildungschancen allgemein besser werden, steigt auf der anderen Seite der Anteil derjenigen, die ohne Abschluss die Schule verlassen, weil sie den Hauptschulabschluss nicht schaffen, sie wegen Fehlverhaltens verlassen müssen  (Schulverweis), oder, was häufiger geschieht, sie auf eigene Faust abbrechen.

Dieser beunruhigende Trend zeichnet sich seit etwa 2016 ab, als 6 Prozent der deutschen Schüler die Schule ohne Abschluss beendete, im Folgejahr waren es 6,5 Prozent. 2018 schließlich brachen 6,8 Prozent oder 50.000 Schüler die Schule ab.

In den Jahren davor hatte die Entwicklung allerdings recht vielversprechend ausgesehen: Während zu Beginn der 2000er Jahre noch eine Abbrecherquote von Rund 8 Prozent vorherrschte, ging ihre Anzahl bis in die 2010er hinein beständig zurück. Die Regierungschefs der Länder waren zuversichtlich, ihr Ziel, die Abbrecherquote bis 2015 auf 4 Prozent zu halbieren, erreichen zu können. Doch dann stieg die Zahl aus verschiedenen Gründen wieder an.

Kinder aus einkommensschwachen und bildungsfernen Familien haben generell ein höheres Risiko, zu Schulabbrechern zu werden und Schüler mit Migrationshintergrund gelten als besonders betroffen: Unter ihnen stieg die Anzahl der Schulabbrecher von 14,2 auf 18,1 Prozent. Sprachbarrieren und fehlende Möglichkeiten, die Kinder etwa durch Nachhilfe zu unterstützen, spielen hier eine große Rolle.

Bundesländer, in denen solche Problematiken besonders stark vertreten sind, schneiden deswegen im Bundeweiten vergleich schlechter ab. So brechen in Berlin deutschlandweit die meisten Schüler ab, auch in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind es etwa doppelt so viele wie in den stärkeren Ländern, Bayern und Hessen.

Zu diesen strukturellen Problemen gesellt sich aber auch besonders schwerwiegend eine sehr negative Haltung, die Schüler der Schule gegenüber aufweisen. Pädagogen wie Eberhardt Meumann bemängeln vor allem die fehlende Disziplin zahlreicher Schüler. Diese haben oft nicht gelernt, sich auch bei schwierigen Aufgaben und trotz Lustlosigkeit durchzubeißen oder sich schlichtweg an die Regeln zu halten: Respekt, regelmassige und pünktliche Anwesenheit und Zuverlässigkeit beim Lernen und bei den Hausaufgaben.

Vor allem sich häufende Fehlzeiten durch massives Schulschwänzen seien zum Problem geworden. Dagegen müsse durch eine Länder und schulübergreifende Erfassung und Auswertung aller Fehlzeiten im Unterricht vorgegangen werden. Dadurch solle ermittelt werden, warum die Kinder und Jugendlichen nicht zum Unterricht kommen, zumal Schulverweigerung oft tiefere Ursachen hat, wie Frustration bei Überforderung mit dem Schulstoff oder Probleme mit Mitschülern. In solchen Fällen müsse den Kindern rechtzeitig geholfen werden, bevor der Anschluss endgültig verpasst werde und sich Verpasstes nicht mehr ohne weiteres aufholen lasse.

Wenn es nämlich erst einmal zum Schulabbruch gekommen ist, sind das Nachholen des verpassten Schulabschlusses und ein erfolgreicher Karriereeinstieg in ein selbstfinanziertes Leben für die meisten Abbrecher stark gefährdet. Der Abstieg in die Abhängigkeit ist leider die häufige Folge.

Quellen:

Zeit online: Immer mehr Schüler beenden Schule ohne Abschluss

Breyton, Ricarda, „Das war total dumm“, in: Welt am Sonntag, 22.09.2019.

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