Spielsucht bei Jugendlichen steigt kontinuierlich an

Christiane Jurczik

Sechs Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 25 in Deutschland gelten als computerspielsüchtig. Gerade bei Online-Spielen besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, da hier keinerlei zeitliche Grenzen gesetzt sind: Irgendwo auf der Welt ist immer gerade jemand online, mit den man spielen kann. Das heißt, mit dem Zocken muss nie Schluss sein, es kann immer weitergehen.

Wie beliebt Computer spielen gerade bei Jugendlichen ist, zeigen die Zahlen der Besucher der Gamescom in Köln, die weltweit größte Computer- und Videosiel-Messe. Die Zahl ist von 370.00 im Jahr 2018 auf 373.000 Besucher in diesem Jahr angestiegen.

Dass Daddeln süchtig machen kann, hat gerade erst die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, offiziell anerkannt: Seit Mai diesen Jahres stuft sie Online-Computer Spielsucht offiziell als Krankheit ein.

Man kann nicht pauschal definieren, ab wann (etwa ab wie viel täglichen oder wöchentlichen Spielstunden) Computerspielen noch als normal gilt und ab wann man süchtig ist. Doch die WHO hat Kriterien genannt, an denen Online-Spielsucht erkennbar ist:

  1. Die Spieler verlieren die Kontrolle über Dauer und Häufigkeit des Spielens
  2. Das Spielen wird wichtiger als alle anderen Aktivitäten
  3. Der Spieler ist unfähig das Spielen zu stoppen – selbst bei negativen Konsequenzen

Großbritannien handelt jetzt

Nächsten Monat wird in London das erste NHS-Zentrum eröffnet, das auf die Therapie von Online-Spielesüchtigen spezialisiert ist. In dem Centre for Internet and Gaming Disorders sollen vor allem junge Spieler im Alter zwischen 13 und 25 Jahren behandelt werden, die Verhaltensstörungen aufwiesen, welche mit exzessivem Onlinespielen oder Social-Media-Nutzung zusammenhängen. Die Behandlung und Beratung wird sowohl persönlich vor Ort als auch per Skype-Videogespräch möglich sein. Zudem werden vierzehn kleinere Kliniken Behandlungen von Spielsucht im ganzen Land anbieten. Fachleute berichten von Fällen, in denen junge Leute bis zu zwölf Stunden oder mehr am Tag oder in der Nacht mit Computerspielen verbringen und sozial isoliert seien.

Mit einem ungewöhnlich deutlichen Angriff hat der staatliche britische Gesundheitsdienst NHS kommerzielle Internet-Spieleanbieter ins Visier genommen. Die Unternehmen „machen Kasse“, während immer jugendlichere Nutzer in eine Sucht abrutschten, kritisiert Simon Stevens, der Direktor des National Health Service. Das staatliche Gesundheitswesen müsse dann jene auffangen, deren Leben ruiniert würden, sagte Stevens der Zeitung „Daily Telegraph“. Schon früher hat Stevens gefordert, dass die Anbieter der Spiele und Social-Media-Plattformen eine Abgabe oder Steuer namens „Mental Health Levy“ entrichten sollten, um die sozialen Kosten exzessiver Onlineaktivitäten zu finanzieren.

„Die Spiele- und Internet-Firmen haben eine Verantwortung für ihre Nutzer wie für ihre Aktionäre und sollten alles unternehmen, obsessives oder schädliches Verhalten zu verhindern statt noch damit Kasse zu machen“, sagte Stevens.

Mit Informationen aus FAZ-Online und Jahrbuch Sucht 2019.

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