Ständige Handynutzung: Immer mehr Kinder sind kurzsichtig

Christiane Jurczik

Experten schlagen Alarm: Die Hälfte der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist kurzsichtig. Tendenz steigend.

Die Gründe sind wenig Tageslicht und die ständige Fokussierung auf Nahsicht. Das Spielen mit dem Smartphone, Tablet oder dem Computer fördert die Kurzsichtigkeit bei Kindern. Darauf hat jetzt der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) hingewiesen.

Die geringe Entfernung beim Spielen mit dem Smartphone oder Computer fördere über komplexe Mechanismen das Wachstum des Augapfels. „Wenn das Auge sich ständig auf Objekte in naher Entfernung fokussiert, dann entsteht in den Randbereichen der Netzhaut ein unscharfes Bild. Dies wiederum scheint Faktoren zu aktivieren, die das Längenwachstum des Auges anregen. Ein zu langer Augapfel ist aber kurzsichtig“, hieß es aus dem BVA.

Es ist eine schleichende Krankheit, sie wächst seit Jahrzehnten überall auf der Welt. Besonders dramatisch ist die Situation in vielen Ländern Asiens. In Hongkong, Shanghai oder Seoul findet man unter den jungen Erwachsenen praktisch keine gesunden Augen mehr, über 95 Prozent der Bevölkerung sind dort betroffen. Auch in Europa und den Vereinigten Staaten ist mindestens jedes zweite Augenpaar der jungen Generationen krank. Der Befund: Myopie-Kurzsichtigkeit.

Für Augenärzte sind das alarmierende Zahlen. Denn anders als früher gilt die Myopie nicht mehr als bloße Unbequemlichkeit, sondern als Gefahr für das Sehvermögen: Langfristig drohen den Betroffenen schwere Sehbehinderungen bis hin zur Erblindung.

Es gibt verschiedene Formen der Kurzsichtigkeit. Bei minus 2 oder 3 Dioptrien spricht man von einer geringen Kurzsichtigkeit. Ab circa 6 Dioptrien in den Gläsern spricht man von einer hohen Kurzsichtigkeit.

Man weiß, dass im Bereich der hohen Kurzsichtigkeit mindestens ein Drittel der Betroffenen wirklich Probleme im Auge entwickeln. Die Hauptprobleme sind die Entwicklung von grünem Star, von grauem Star, aber auch primäre Netzhautprobleme: Es kommt häufiger zu Netzhautablösungen, es gibt eine Kurzsichtigkeitsveränderung der Netzhautmitte, der so genannten Makula. Diese ist in gewisser Form, wenn es mit Gefäßwachstum und Schwellung einhergeht, heute gut behandelbar, aber es gibt diese trockenen Formen, für die es noch keine Therapie gibt, sagt Prof. Dr.med. Frank G. Holz, Chefarzt der Augenklinik der Universitätsklinik Bonn.

Die Weltgesundheitsorganisation hat Myopie deshalb zu einem globalen Gesundheitsproblem erklärt. „Der Zuwachs ist tatsächlich dramatisch, das ist eine regelrechte Pandemie“, so Dr. Holz.

Auch in Deutschland halten sich Kinder immer weniger im Freien auf. Nach Zahlen des Deutschen Kinderhilfswerks verbringen selbst bei schönem Wetter nur etwas mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen an drei oder mehr Tagen in der Woche ihre Freizeit bei Tageslicht.

Der Berufsverband rät allen Eltern, ihre Kinder möglichst zwei Stunden am Tag im Freien spielen zu lassen – denn dann sinke das Risiko für die Kurzsichtigkeit. „Und die Zeit, die mit Naharbeit verbracht wird – also auch mit Smartphones, Tablets und Co – sollte sich in Grenzen halten“, so der BVA

Mit Informationen aus Zeit Online und Ärzteblatt

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