Deutsche Schüler sind so unglücklich, dass Schulfach Glück eingeführt wurde

Christiane Jurczik

Als erste in Deutschland unterrichtet eine Heidelberger Schule das Fach “Glück”. Es kann sogar für das Abitur zählen. Dem Direktor geht es um Bildung im besten Sinn – für ihn ist Glück eine ernste Sache – und die Schüler sind dabei gut gelaunt.

Zufriedenheit und Lebenskompetenz sind das Ziel des Schulfachs Glück. Dazu zählen Sinnfindung, Geborgenheit, soziale Beziehungen, selbstbestimmtes Handeln, Selbstakzeptanz, Umweltbewältigung, und die persönliche Weiterentwicklung. Der ehemalige Schuldirektor Ernst Fritz-Schubert hat 2007 an seiner Schule in Heidelberg das Unterrichtsfach “Glück” entwickelt. Heute gibt er das Konzept in seinem pädagogischen Institut an andere Lehrer weiter.

„Ich war zu dem Zeitpunkt schon 30 Jahre im Schuldienst und mir war klar, dass Schüler die Schule nicht als Ort empfinden, an dem sie glücklich sind. Dabei sollte es die Aufgabe der Schule sein, Freude am Lernen zu wecken und zu erhalten – nicht nur zur Erfüllung akademischer Ziele. Ich habe das Gefühl, dass die Schule uns die Neugier abgewöhnt. Entgegen aller Erkenntnisse der Psychologie behandeln viele Pädagogen ihre Schüler wie „Lernmaschinen“, die vorgegebene Inhalte reproduzieren. Aber wenn Lehrer sich nicht als Fehlersucher, sondern als Schatzsucher verstehen, hat das positive Auswirkungen für beide Seiten“ berichtet Schubert in einem Interview mit deutschland.de.

Aus einer Studie geht hervor das 9- bis 13-Jährige angaben sich besonders wohl in den Ferien zu fühlen, an Weihnachten, überhaupt bei den Eltern. Am wenigsten glücklich sind sie beim Zahnarzt. Und eben in der Schule.

Da muss etwas passieren, dachte der Schulleiter – und tat sich zusammen mit einer Handvoll Kollegen: Professor Wolfgang Knörzer vom Institut für Alltags- und Bewegungskultur an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg und mit Bernhard Peters, Ex-Hockey-Bundestrainer und derzeit Sportdirektor des Fußball-Zweitligisten Hoffenheim.

Sie haben ein Fach entworfen, das in der zweijährigen Berufsfachschule und im Wirtschaftsgymnasium auf dem Stundenplan steht. Für die Gymnasiasten kann es sogar ein mündliches Prüfungsfach im Abitur ersetzen. Alle betonen, der Unterricht solle “wieder Bildung im ursprünglichen Sinn” vermitteln. “Und dazu gehört unbedingt die Fähigkeit, Glück empfinden zu können”, sagt Schulleiter Fritz-Schubert. Junge Menschen werden beruflich qualifiziert. Punkt. Reflexionsvermögen, seelische und körperliche Gesundheit, Kultivierung und eben Lebenskompetenz Fehlanzeige. All diese Dinge haben in der Schule keinen Platz, weil keine Zeit.

Aber was ist Glück überhaupt? Empfindet es nicht jeder anders? Gerade als Schüler? Und wie soll man Glück unterrichten? Nach einer Umfrage der Schüler, kommt man relativ schnell dahinter: “Ich bin glücklich, wenn ich Menschen finde, die meine Interessen teilen. In einer guten Gemeinschaft fühle ich mich eben wohl”, sagt Glücks-Schüler Max, 18. “Ich bin glücklich, wenn ich mich körperlich fit fühle”, sagt Janina. So geht es weiter: Geborgenheit, Gemeinschaft, Fitness – kein Wort von Shopping, Party, Ballermann.

Positives Resümee: Wissenschaftliche Begleituntersuchungen bestätigen, dass Schüler ein stärkeres Selbstwertgefühl entwickeln. Sie sind verständnisvoller, gehen offen auf andere Menschen zu, trauen sich mehr zu und verfolgen optimistischer ihre Ziele.

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