Kinder leiden unter Gewalt und Horror im Fernsehen

Christiane Jurczik

Laut KIM Studie 2016 gibt fast jedes fünfte Kind im Alter von sechs bis 13 Jahren an, im Fernsehen schon einmal mit ungeeigneten Inhalten konfrontiert worden zu sein, etwas mehr Jungen als Mädchen. Unangenehme Dinge hat etwa jedes zehnte Kind schon einmal im Fernsehen gesehen – unabhängig vom Geschlecht. Mit Inhalten, die Angst gemacht haben, wurden 13 Prozent der Kinder schon einmal konfrontiert – hier etwas mehr Mädchen. Während der Kontakt mit für Kinder ungeeigneten Inhalten mit steigendem Alter deutlich häufiger auftritt, gibt es bei Inhalten, die Angst machen, nur einen geringen Zusammenhang mit dem Alter der fernsehenden Kinder. Bei den ungeeigneten Inhalten stehen Gewalt und Brutalität an erster Stelle, aber auch Horrorfilme, Krimis oder Filme für Ältere. Bei den angstmachenden Inhalten werden Gewalt- und Horror-/Geisterfilme in gleichem Maße genannt.

Laut einer Befragung im Rahmen der Grundlagenstudie “Having and showing emotions“ von Kindern und Jugendlichen zwischen sechs und 19 Jahren hatte jedes zweite Kind zwischen sechs und neun Jahren öfter Angst beim Fernsehen, ein Drittel hat manchmal Albträume. Bei den Zehn- und Elfjährigen hat knapp die Hälfte manchmal Angst, ein Viertel manchmal Albträume. Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit von Angst und Albträumen weiter ab. Nach Genre kategorisiert werden am häufigsten Sendungen aus dem Bereich Mystery/Science Fiction/Fantasy genannt (21 Prozent), gefolgt von Horror (12 Prozent) und Krimis (9 Prozent). In allen Stichproben tragen etwa die Hälfte der Sendungen, die von Kindern als angsteinflößend erlebt wurden, eine Altersfreigabe der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) ab zwölf Jahren. Doch nennen die Befragten auch Filme als beängstigend, die nach FSK-Bewertung für sie freigegeben sind und auch im Tagesprogramm gesendet wurden.

In den USA wurden zahlreiche Untersuchungen zu den Auswirkungen von Gewaltdarstellungen im Fernsehen auf Kinder und Jugendliche durchgeführt (vgl. Smith & Donnerstein). Beinahe in allen konnten signifikante Korrelationen zwischen dem Konsum von Fernsehgewalt und aggressiven Gedanken, Einstellungen oder gewalttätigem Verhalten nachgewiesen werden.

Untersucht man die Wirkung von Gewaltdarstellungen auf Personen, muss man sich vor allem mit der Wirkung auf Kinder und Jugendliche beschäftigen. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche, im Vergleich zu Erwachsenen, noch kein gefestigtes Weltbild und noch keine feste Wertvorstellung besitzen. Somit sind sie leichter beeinflussbar. Dies kann zur Folge haben, dass sie eine falsche Vorstellung von gewissen Sachverhalten bekommen, z.B. durch diverse “Sexstreifen” kann ein völlig falsches Bild von Frauen entstehen. Darüber hinaus können Kinder durch bestimmte Formen der Gewaltdarstellung abrupt aus ihrer naiven phantasievollen Denkweise herausgerissen werden.

Im Klartext: Kinder verlieren eine ihrer wichtigsten Begabung – ihre kindliche Phantasie!

Die Informationen und Bilder aus Nachrichtensendungen können Kinder oftmals stark überfordern und belasten. So lösen Bilder von Katastrophen, Unglücken und Gewalt bei vielen Kindern Ängste und Gefühle von Ohnmacht und Hilflosigkeit aus – besonders, wenn es sich um Bilder der Opfer handelt und wenn Blut zu sehen ist.

Gewaltstrukturen im deutschen Fernsehprogramm

Die Forscher Groebel und Gleich haben eine Woche lang (750 TV-Stunden auf 6 Sendern) das Fernsehprogramm auf seine Gewaltstruktur hin untersucht. Sie haben herausgefunden:

– In 582 Sendungen sind 2745 Gewaltszenen zu sehen.
– In jeder zweiten Sendung war Gewalt zu sehen
– 6-7 Gewaltszenen bei ARD bzw. ZDF, 20 bei PRO 7 (pro Tag)
– 70 Mordszenen pro Tag im Gesamtprogramm

Kinder und Jugendliche werden in Film und Fernsehen immer wieder mit gewalthaltigen Inhalten konfrontiert werden. Um sie davor zu schützen, sollten Eltern am besten gerade jüngere Kinder bei der Mediennutzung begleiten und auf altersgemäße Inhalte achten und sollten die Möglichkeiten des technischen Jugendschutzes nutzen.

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