Experten befürchten drastischen Anstieg von Computerspielsucht durch Ausgangsbeschränkungen

(Aktion Kinder in Gefahr – DVCK e.V.) Hinlänglich bekannt ist, wie weit verbreitet die Spielsucht unter Kindern und Jugendlichen ist.

Zum Beispiel in Niedersachsen spielt jeder vierte männliche Jugendliche jeden Tag viereinhalb Stunden und mehr. Im Durchschnitt sind etwa 10 Prozent der Jungen und jungen Männer zwischen 12 und 25 Jahren von einer Computerspielsucht betroffen. Mädchen und junge Frauen neigen hingegen seltener zur Computerspielsucht, bei ihnen zeigen knapp sechs Prozent relevante Anzeichen.

Nach einer Analyse des Deutschen Zentrums für Suchtfragen am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) zeigen 15,4 Prozent der jugendlichen Spieler ein riskantes oder pathologisches Spielverhalten. Davon sind 79 Prozent Jungen. 3,3 Prozent weisen handfeste Suchtmerkmale wie Entzugserscheinungen und Kontrollverlust auf.

Nun befürchtet der Kriminologe Christian Pfeiffer, dass Kinder und Jugendliche in der Corona-Krise noch weiter der Computerspielsucht verfallen.

„Die Quote der Intensivspieler dürfte im Zuge der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen beträchtlich anwachsen“, so der Experte in einem Zeitungsinterview. Zahlreiche Eltern arbeiten derzeit im Home-Office, Schulen bleiben geschlossen, viele Kinder und Jugendliche sind oft über Stunden sich selbst überlassen und spielen Computer.

Durch die Gewöhnung besteht eine erhöhte Suchtgefahr. Damit gehe auch eine erhebliche Suchtgefahr einher. So könnten sich viele junge Menschen an das sehr häufige Spielen gewöhnen und dies auch nach einer Normalisierung fortsetzen.

Eltern sollten einschreiten wenn sie erste Symptome erkennen und ihre Sorgen offen ansprechen

Wann ist die Internetnutzung unbedenklich und Gaming nur ein Hobby – und wo fängt die Sucht an? Von einer Internetsucht spricht man, wenn der Betroffene keine Kontrolle mehr über seinen Konsum hat und die Nutzung des Computers oder Smartphones den Alltag maßgeblich beeinträchtigt.

Wer seinem Kind helfen will, sollte das Gespräch suchen – und zwar einfühlsam und ohne den Sohn oder die Tochter gleich mit einer laienhaften Diagnose zu konfrontieren. Nehmen Sie Ihre Beobachtungen aber dennoch auf jeden Fall ernst. Je früher Sie das Problem thematisieren, desto eher kann eine mögliche Sucht therapiert werden.

Sprechen Sie Ihre Sorgen am besten zu einem Zeitpunkt an, an dem das Kind gerade nicht in ein Computerspiel oder eine andere Aktivität im Internet vertieft ist. Lassen Sie sich erklären, warum Ihr Kind so viel Zeit am Rechner oder Smartphone verbringt: Was macht es genau im Internet? Weshalb sind ihm die Tätigkeiten oder Spiele so wichtig? Was fühlt es dabei? So haben Sie die Möglichkeit, Vor- und Nachteile zu besprechen und mögliche Alternativen aufzuzeigen.

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