Kleinkinder leiden in Zeiten der Krise am meisten

Christiane Jurczik

Während die Politik mögliche Szenarien durchspielt, wie sich ein geregelter Schulalltag künftig gestalten könnte, bleiben die Kindergartenkinder auf der Strecke. Aber wie ansteckend sind Kleinkinder wirklich?

Kinder sind weniger ansteckend als gedacht. Das zeigt ein Fall aus Frankreich. Dort soll ein unwissentlich am Corona Virus erkranktes Kind mit über 170 Personen Kontakt gehabt – und keine einzige angesteckt haben.

In der Corona-Pandemie gelten Kinder als Antreiber von Infektionen.

  • Auch weil sie Abstands- und Hygieneregeln schwer einhalten können, ist ihr Sozialleben deshalb aktuell auf ein Minimum begrenzt.
  • Doch auf welcher Grundlage wurden diese Pandemie-Regelungen erstellt?
  • Prof. Dr. med. Johannes Hübner, pädiatrischer Infektiologe aus München, äußert sich dazu. Am 13. März haben alle bayerischen Kinder, die einen Kindergarten, eine Kinderkrippe oder eine Schule besuchen, diese zum letzten Mal von innen gesehen. Seitdem betreuen und beschulen Eltern ihre Kinder zuhause, sehr oft während sie im Homeoffice arbeiten.

Homeoffice und Kinderbetreuung: parallel fast unmöglich

Und sehr oft ist es ein Elternteil, der im Homeoffice arbeitet und parallel Kinder beschäftigt und mit ihnen lernt – während der andere Elternteil seinem Beruf außer Haus nachgeht. Denn nicht alle Berufe (allein das gesamte Handwerk) sind Homeoffice-fähig. Obendrauf kommt in vielen Fällen die Angst der Eltern: Habe ich nach Corona meinen Job noch? Und kann ich nach den anstrengenden Wochen sofort genauso viel leisten wie vorher?

Was nach großer psychischer Belastung klingt, ist auch so Und auch die Kinder leiden. Alle Aktivitäten, der sie vor der Krise nachgegangen sind, haben sie von heute auf morgen verloren: gemeinsames Lernen, spielen mit anderen Kindern, toben auf Spielplätzen, Kicken auf Fußballplätzen, Treffen mit Freunden oder Ausflüge mit der Familie.

Ein großer Teil der bekannten Corona-Infektionen bei Kindern verläuft mild bis glimpflich. Bei zahlreichen Kindern ist die Infektion nahezu symptomfrei verlaufen. Deshalb befürchtet man, dass infizierte Kinder insbesondere ältere Menschen oder Angehörige von Risikogruppen durch unwissentliche Ansteckung gefährden könnten. Nicht nur in Deutschland, auch in vielen anderen Ländern sind deshalb Schulen und Kindertagesstätten geschlossen, ebenso Spielplätze und Freizeiteinrichtungen.

Kinder leiden unter Corona-Krise

Vor allem kleine Kinder zählen zu den Haupt-Leittragenden der Corona-Krise. Die Kitas geschlossen, die Sozialkontakte abgeschnitten – und zum Telefonieren und Chatten sind viele Kinder noch zu klein. Ältere Geschwister, die bereits für die Schule lernen müssen, bekommen allein durchs Homeschooling deutlich mehr elterliche Aufmerksamkeit. Die Oma darf nicht besucht werden – und wenn man Pech hat, ist man nicht einmal mehr im Supermarkt erwünscht. Kinder, die weinen, weil sie ihre Freunde oder Verwandten nicht sehen können oder nicht in die Kita dürfen. Die Kinder können mit Schlafproblemen, Kopfweh, Bauchschmerzen, Schwindel und Erschöpfung reagieren. „Auf der Verhaltensebene ist es möglich, dass Kinder sich zurückziehen, aggressiver auftreten oder auch ein verstärktes Kuschelbedürfnis haben“, so der Experte.

Kinder überstehen auch schwierige Zeiten

„Wir können schwierige Situationen besser aushalten, wenn wir das Gefühl haben, wir können etwas tun“, erklärt Schneider. Viele Eltern neigen laut der Bochumer Professorin dazu, Kinder von Krisen fernzuhalten. Doch aus der Forschung wisse man: Kinder müssen Krisen auch kennenlernen. „Und sie müssen vor allem lernen, wie sie mit Krisen umgehen“, so Schneider.

Der Alltag bestehe aus Krisen und unser Leben sei eine ständige Problembewältigung. „Ein Leben ohne Krisen ist unnormal und das ist auch nicht gut für Kinder. Wie sollen Jugendliche zum Beispiel in der Pubertät Schritte aus der Familie raus wagen, wenn sie nie gelernt haben, schwierige Situationen zu meistern?“, so die Expertin. „Da muss man eine gewisse Resilienz entwickelt haben, eine Stärke in der Krise.“

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