Durch Corona ist Homeschooling in der Diskussion

(Aktion Kinder in Gefahr – DVCK.e.V.) Die Corona-Krise und die damit verbundene Schließung der Schulen wurden die Schüler mehr oder weniger zum sog. Heimunterricht gezwungen. Weil diese Erziehungsform insbesondere in den Vereinigten Staaten populär ist, wird sie meist mit dem englischen Begriff „Homeschooling“ bezeichnet.

Doch auch in Deutschland steigt infolge der Corona-Krise das Interesse an Heimunterricht signifikant an. In den Medien wird offen darüber berichtet. Politiker aller Couleur fordern Erleichterungen. Um die Kinder (auch) zu Hause unterrichten zu können.

Doch nicht nur das: Nach einer Umfrage des Markt- und Sozialforschungsinstituts INSA-Consulere (erschienen in Idea-Spektrum 18/2020) soll für viele der Hausunterricht durch Eltern oder Privatlehrer in Deutschland generell erlaubt werden. Das wünschen sich insgesamt 32 Prozent aller Bürger.

In Deutschland herrscht strenge Schulpflicht, der Unterricht zu Hause ist eigentlich verboten. Diese Regelung wurde durch das Reichsschulpflichtgesetz von 1938 eingeführt, also von den Nazis.

Die mit Abstand größte Zustimmung für eine Erlaubnis des Hausunterrichts gibt es bei den Menschen, die einer Freikirche angehören mit 58 Prozent. In den anderen Konfessionen und Kirchen (Katholiken, ev.-landeskirchlich etc.) ist die Zustimmung mit ca. 32 Prozent recht gleichmäßig verteilt.

Die Hälfte der Befragten sprach sich dagegen aus und 13 Prozent haben keine Meinung dazu. Eine Aufgliederung nach Wählergruppen zeigt, dass eine positive Zustimmung in Richtung Hausunterricht sich relativ gleichmäßig über die Parteipräferenzen verteilt. Am größten ist die Zustimmung zu einer Zulassung des Unterrichts zuhause bei den Anhängern der AfD (38 Prozent) und von Bündnis 90/Die Grünen (36 Prozent). Bei den Wählern der anderen Parteien gibt es keine großen Unterschiede: CDU/CSU 32 Prozent, FDP 33 Prozent, SPD 29 Prozent und Linken 27 Prozent.

Obwohl Homeschooling nicht von der Mehrheit der Bevölkerung befürwortet wird, sind diese Zustimmungswerte ansehnlich angesichts des völligen Fehlens dieser Erziehungsoption in Deutschland seit Jahrzehnten.

In dieser Hinsicht ist nämlich Deutschland international gesehen ein absoluter Sonderling, denn praktisch überall in Europa (und auf der Welt) ist Homeschooling zugelassen. Überall gilt eine Erziehungspflicht, doch nur in Deutschland gilt eine Schulpflicht.

Deshalb plädieren seit Langem Eltern und einige Organisationen für eine Liberalisierung auch hierzulande. Die deutsche Politik sollte den Eltern vertrauen, Heimunterricht eine Chance geben und die Schulpflicht auf Dauer in eine Bildungspflicht umwandeln, wie es in den meisten unserer Nachbarländer i.Ü. absolut üblich ist. Damit würde der Unterricht nicht nur in etwaigen zukünftigen Krisen aufrechterhalten, sondern auch die vielen weiteren positiven Aspekte von Heimunterricht könnten genutzt werden: Maximale individuelle Betreuung des einzelnen Kindes, abwechslungsreiche und innovative Lernmethoden, Vertiefung der Eltern-Kind-Beziehung, Stärkung des familiären Miteinanders und der sozialen Kompetenzen durch generationenübergreifendes Lernen.

Die Corona-Krise hat gezeigt, dass Homeschooling auch in Deutschland funktionieren kann und in Krisenzeiten sogar funktionieren muss.

Zudem legen mehrere Studien aus den USA und Australien nahe, dass Kinder, die zuhause unterrichtet werden, durchschnittlich bessere Ergebnisse in Leistungstests, bessere Noten und höhere weiterführende Abschlüsse erlangen sowie sich mehr ehrenamtliche engagieren.

Taugt Homeschooling also als Zukunftsmodell? Eltern wie Kinder geben dem Schutz vor Mobbing Bedeutung oder finden, dass Lehrpläne und Noten zu sehr einschränken würden. Regelmäßige Prüfungen durch den Staat, ob die Erziehungsplicht eingehalten wird, würden ausreichen. Und für religiöse Familien widerspricht etwa der Sexualkundeunterricht, so wie er oft praktiziert wird, der eigenen individuellen Weltanschauung. Nicht zuletzt ist die Möglichkeit des Heimunterrichts ein Zeichen für echte Wahlfreiheit für Familien.

Eine wichtige Lehre aus der Corona-Krise kann also bereits jetzt gezogen werden: Heimunterricht ist machbar und bietet viele Vorteile. Viele Eltern wünschen sich diese Alternative zum Schulunterricht. Die deutsche Politik sollte endlich dem Vorbild der meisten europäischen Nachbarn folgen und Heimunterricht zulassen.

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