Medien über Eltern in Coronazeiten: Kita gut – Eltern schlecht

Christiane Jurczik

Jetzt in der Zeit der Krise zeigen Medien hierzulande ein verzerrtes Bild von Familie. Plötzlich sollen alle zuhause leiden und Eltern sollen überfordert sein und sogar psychische Probleme bekommen.

Man fragt sich: was ist nur los? Ein paar Wochen gemeinsam zuhause und alle drehen durch?

Medien berichten ausschließlich negativ über diese Zeit und sehen sogar Gefahren wenn die Familie zusammen ist… „Kitas sollen schnell wieder öffnen.“ Von einem „Rückfall in alte Rollenbilder“ wird gewarnt. Von „Brandbriefen“ an die Familienministerin ist die Rede, man sieht die „Familien im Ausnahmezustand“ und alarmiert: Existenzängste, Homekoller, Betreuungsstress, Überforderung und Langeweile für die Kleinen. Nach der Krise sind alle ausgebrannt und traumatisiert.

In der FA Sonntagszeitung liest man sogar: „Mit monatelangen Kita- und Schulschließungen fällt Deutschland in eine langjährige westdeutsche Tradition des geschlechterkonservativen und ungleichserhaltenden Wohlfahtsstaates zurück… im aktuellen Ausnahmezustand müssen gesundheitliche und ökonomische Interessen hohe Priorität haben. Aber soziale Kosten durch eine Verschärfung der Ungleichheit schlagen sich auch auf die Gesundheit und Wirtschaft nieder und können politisch destabilisieren.“

Man fragt sich kopfschüttelnd: Revolution wegen geschlossener Kitas?

Das Familienbild in den Medien „schwankt zwischen Horrorberichterstattung und Heile-Welt-Zauber“. In der medialen Öffentlichkeit wird in Corona Zeiten viel mehr über die negativen als über die positiven Seiten des Familienlebens gesprochen. Außerdem werden negative Einzelfälle zu stark verallgemeinert. Gleich drei Mal pro Woche wurden die gleichen Bilder einer gestressten Alleinerziehenden gezeigt. Es stellt sich die Frage auf wie es nur all die Mütter ausgehalten haben die gerne und ganz freiwillig zuhause ihre Kinder betreut und erzogen haben?

Nach einer Reportage im ARD-Extra am 30.04.20 über eine gestresste Familie sagt die Reporterin: „Dabei wünscht sich die Vierjährige nichts sehnlicher als wieder in die KiTa zu gehen“ und „die Familien brauchen unbedingt wieder Hoffnungslinien“. Selbst die Tagesschau redet von „harten Zeiten“ für die Familie, weil die Kinder zuhause sind. Eine schnellere Öffnung der Kita‘s wird mit Priorität auf die frühkindliche Bildung gepocht. Und zu guter Letzt hängt die Familienministerin auch noch ihr Fähnchen in den Wind: „Die Rückkehr zur Normalität“ sei der große Wunsch der Familien.

Die Süddeutsche und andere Zeitungen gebärden drohend „Kinderschutz ist Gesundheitsschutz“. Damit wird suggeriert, dass Familie ein Risiko sei und dass es nicht nur um den Schutz vor dem Corona Virus geht, sondern auch um den Schutz vor den Eltern.

Es geht also immer um die gleiche Ideologie: Kita ist gut und professionell, Eltern sind gestresst, schlecht und gefährlich.

Wie schön wenn man in den französischen Nachrichtensender France 2 umschalten kann und sieht wie froh Kinder sind, wenn sie mal Mama und Papa „eine ganz lange Zeit“ für sich haben dürfen.

Auch in Frankreich gibt es Probleme mit der Ausgangssperre. Aber dort sind Eltern kein Feindbild wie bei den meisten Journalisten in Deutschland.

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