Salafistische Propaganda in Raptexten

Nina Stec

Reaktionäre Islamisten versuchen zu missionieren und jugendliche Anhänger zu gewinnen, indem sie sich einen „coolen“ Anstrich geben. Sie präsentieren sich als den Jugendlichen zugewandt und nah an ihrer Lebenswelt, ihren Interessen und Problemen. In Teilen der Subkultur des Hip-Hop konnten sie dabei Fuß fassen.

In der strengsten Auslegung des Islam ist nichtreligiöse Musik eigentlich verboten, da sie als unerwünschter Einfluss von dem Islam fremden Kulturen wahrgenommen wird. „Weltliche“ Musikstücke, deren Texte der Verbreitung der salafistischen Lehre dienen, werden allerdings geduldet. Sie werden schließlich nicht für die bereits Glaubenden komponiert, sondern sollen junge Menschen ansprechen, die noch in ihrer normalen alltäglichen Lebenswelt verwurzelt sind, sie bei ihren Interessen, z.B. Rapmusik, packen und auf diese Weise in die salafistische Lehre einführen und für sie begeistern.

Hip-Hop und Rap stammen ursprünglich aus den Armensiedlungen in Jamaica und in den USA, wo etwa Afro-Amerikaner auf diese Weise auf Ungerechtigkeiten aufmerksam machen oder andere Jugendliche in schwierigen Situationen ermutigen wollten. Für einige ist Hip-Hop oder Rap eine Lebenseinstellung die über das Musikhören hinausgeht, sondern auch eine bestimmte Art sich zu kleiden, zu sprechen und insgesamt eine Art „Lebensgefühl“. Das Bild des unterdrückten Opfers, das es schafft groß rauszukommen, also reich und berühmt zu werden und es gegebenenfalls allen Feinden und Kritikern `so richtig zu zeigen` ist häufig beliebt bei Jugendlichen aus sozial schwächer gestellten Familien, aber auch bei allen anderen, die Ungerechtigkeiten empfinden oder einfach „cool“ sein wollen, weil dieses Genre in ihrem Freundeskreis beliebt ist.

Salafisten sehen dieses Genre deswegen als besonders geeignet, um Propaganda auf mehr oder weniger subtile Weise in das Alltagsleben der Jugendlichen einzubauen. Sie stellen Muslime gerne als unterdrückte Opfer der westlichen Welt dar, wobei die `wahren Gläubigen` aber bald die „großen Gewinner` sein werden. Die Texte versprechen Glück und Reichtum und die Erfüllung aller Bedürfnisse bei Allah, sie enthalten aber auch Verhaltensregeln und häufig hasserfüllte Botschaften und Gewaltaufrufe gegen andersgläubige, die für Jugendliche, die auf der Suche nach Gruppenzugehörigkeit und Lebenssinn sind und ihre Identität besonders durch die Abgrenzung von Anderen definieren, attraktiv wirken und sie im schlimmsten Fall zu illegalen Taten motivieren können. SadiQ, ein Rapper aus Frankfurt, verherrlichte in seinen Songs etwa den Dschihad und billigte den Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo im Jahr 2015, Zitat: „Ziel auf den Zeichner der Karikatur“.

Beim Salafismus handelt es sich um eine besonders umstrittene, häufig fundamentalistische Auslegung des Islam, die in Teilen dschihadistisch geprägt ist, demokratische Werte und die Gleichheit aller Menschen ablehnt und Gewalt für eigene Zwecke billigt.

Da es schwer ist, Jugendliche, die sich bereits das starre, geschlossene Weltbild der Salafisten angeeignet haben, zu erreichen, ist es sinnvoll, früh anzufangen und Minderjährige vorsorglich für diese Art von Propaganda zu sensibilisieren und auch mal ganz „uncool“ über Songtexte mit Gewalttätigen Inhalten zu reden.

Quellen:

https://www.jugendschutz.net/fileadmin/download/pdf/Islamismus_im_Internet.pdf

https://www.hass-im-netz.info/fileadmin/public/main_domain/Dokumente/Islamismus/IS_HipHop_2015.pdf

https://www.die-tagespost.de/gesellschaft/feuilleton/hip-hop-fuer-allah;art310,207882

Foto: Pixabay, hip-hop-hiphop-dj-drehscheibe-1912921

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