Folgen der Corona-Krise treffen Kinder und Familien schwerer als erwartet

Nina Stec

Geschlossene Schulen und Sportvereine, keine Treffen mit den Freunden, dafür zu Hause sitzen und dort auf digitalem Weg Hausaufgaben erledigen müssen…

Kinder und Jugendliche, die zu ihren Erfahrungen mit dem Lockdown zu Hochzeiten der Corona-Krise befragt wurden, klagen häufig über eine unschöne Mischung aus Stress und Langeweile.

Die Copsy-Studie des Universitatsklinikum Hamburg-Eppendorf zeigt erstmals die Auswirkungen der Corona-Krise auf das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen. In einem Online-Fragebogen wurden minderjährige zwischen 11 und 17 Jahren zu Themen aus den Bereichen: psychisches Wohlbefinden und Lebensqualitat, Familie, Freunde und Schule, befragt. Die Ergebnisse wurden daraufhin mit einer Langzeitstudie vor der Pandemie verglichen und ausgewertet. Das Ergebnis fiel deutlich schlechter aus als erwartet: über 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen gaben an, sich durch die Corona-Krise psychisch belastet zu fühlen. Es zeigte sich eine Zunahme bezüglich Stress, Angst, Depressionen sowie psychischer und physischer Auffälligkeiten.

Viele Kinder und Jugendliche gaben an, sich weniger sportlich betätigt und dafür mehr , insbesondere Süßigkeiten gegessen und viel Zeit vor Handy und Fernseher verbracht zu haben.

Dass mehr Zeit mit der eigenen Familie verbracht wurde, erlebten viele zwar als etwas grundsätzlich Positives, allerdings beklagte rund ein Viertel der Teilnehmer vermehrte innerfamiliäre Streitigkeiten aufgrund der Situation und einer daraus resultierenden hoffnungslosen und gereitzten Stimmung.

Dies betraf vor allem Kinder aus sozial schwächer gestellten Familien. Für diese war es oft besonders schwer, bei den Hausaufgaben mitzuhalten, vor allem wenn die Eltern nicht beim Schulstoff helfen konnten und kostenlose oder erschwingliche Nachmittagsangebote wie Kinderbüros, in denen u. A. Nachhilfe angeboten wird, ausfielen. Teilweise waren auch keine hinreichende technische Austattung, oder aufgrund des beengten Wohnraumes nur unzureichend Rückzugsmöglichenkeiten fur ein ungestörtes Lernen vorhanden.

Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung wachsen 2,8 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland, d. h. rund ein Fünftel, in Armut auf. Die Corona-Krise droht das Problem zusätzlich zu verschärfen, wenn Eltern die im Niedriglohnsektor arbeiten, ihren Arbeitsplatz verlieren oder Kurzarbeitergeld beziehen müssen, während abgehängte Schüler Schwierigkeiten bekommen, den verpassten Lernstoff aufzuholen.

>