So werden GEZ-Gebühren zur Gender-Förderung ausgegeben

Christiane Jurczik

Ab dem 1. September will die Redaktion des RBB-Jugendsenders „Fritz“ durchgehend das Gendersternchen mitsprechen. Der Sender ist damit der erste im ARD-Verbund, der diese Sprechweise übernimmt.

In Radio- und Fernsehnachrichten ist viel öfter von „Menschen“ die Rede, gemeint als geschlechtsneutraler Oberbegriff. In den Mainstream-Medien gibt es mehr Beidnennungen zu hören und zu lesen zu hören und zu lesen.

Viele Redaktionen haben über geschlechtergerechte Sprache diskutiert und ob und wie das generische Maskulinum vermieden werden kann. Der Spiegel empfiehlt seit Anfang 2020 in seinen Richtlinien für redaktionelle Arbeiten darauf zu verzichten. Das Deutschlandradio hat einen hausinternen Leitfaden für gendergerechte Kommunikation erarbeitet. SWR2 Wissen weist Autorinnen und Autoren in seinem Leitfaden auf die Methode Genderleicht hin.

Wer Sprache verändert merzt Erinnerung aus

Diejenigen, die prominent für die gendergerechte Sprache kämpfen, sind häufig nicht unbedingt Sprachwissenschaftler, sondern Aktivisten. Sie glauben, dass sie sich für eine uneingeschränkt gute Sache einsetzen. In ihrem Eifer verlieren sie völlig aus dem Blick, dass es gute Gründe gibt, gegen das Gendern zu sein – oder aber auch es einfach für vollkommen irrsinnig zu halten.

Es ist einfach zu sagen: Unsere Grammatik und unser alltägliches Sprechen sind Ausdruck sexistischen Denkens. Sprache ist eben kein Werkzeug, dessen Effekte auf die Realität sich eins zu eins ermitteln lassen. Sie ist auch ein Speicher, ein kultureller Resonanzraum. Wer also zum Beispiel sagt, das generische Maskulinum darf es nicht mehr geben, der nimmt sich auch eine Möglichkeit, zu verstehen, wie Sprache überhaupt funktioniert.

Wer Sprache verändert, merzt Erinnerung aus. Und somit übrigens auch die Möglichkeit, sie tatsächlich ideologiekritisch zu untersuchen. Die Vorstellung einer konsequent gendergerechten Sprache kommt also zumindest schon mal nicht aus ohne die Neigung, sprachliche Feinheiten zugunsten weltanschaulicher Vorstellungen zu ignorieren. Man kann das wollen. Man kann beschließen, Komplexität zu ignorieren – im Dienste eines Effekts, von dem man annimmt, dass er zu mehr Gerechtigkeit führt.

Außerdem: Es gibt keine einzige Studie, keine einzige Wissenschaftlerin, die “beweisen” kann, dass “die gendergerechte Sprache” zu mehr Gerechtigkeit führt. Es gibt eine Studie, die von Gender-Befürwortern immer wieder zitiert wird. Sie kommt zu dem Schluss, dass Kinder bei vermeintlich typischen Männerberufen wie “Ingenieur” eher denken, dass auch Frauen diesen Beruf ausüben können, wenn man stattdessen von “Ingenieuren und Ingenieurinnen” spricht. Das ist zweifelslos eine interessante Erkenntnis. Aber es ist schlicht und einfach nicht geklärt, ob und in welchem Maße diese Tatsache Einfluss auf die soziale Realität hat. Es gibt sehr viele, sehr komplexe Untersuchungen zu Berufswahl und Rollenbildern. In vielen arabischen Ländern etwa ist der Anteil von Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen viel höher als hierzulande. Sagt das etwas über die Gleichberechtigung dort? Über die arabische Sprache? Wohl kaum.

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