Immer weniger Bewegung – immer mehr übergewichtige Kinder

Christiane Jurczik

Das Jährlich in Baden-Württemberg durchgeführte Fitnessbarometer bestätigt: Kinder, insbesondere im Grundschulalter, werden immer dicker.

Die Schulen haben zwar wieder geöffnet doch der Sportunterricht wurde gestrichen. Auch Sportvereine hatten lange geschlossen. Corona hat den Bewegungsmangel noch verschärft.

Mit verschiedenen Übungen wird jährlich der Fitness- und Gesundheitszustand der drei- bis zehnjährigen Kinder in Baden-Württemberg gemessen. Verschiedene Wissenschaftler betreuen das Projekt. „Wir gehen dazu in Kindergärten, Grundschulen und Vereine, um motorische Fähigkeiten wie Kraft, Ausdauer, Koordination und Beweglichkeit zu testen“, sagt Klaus Bös, Leiter des Instituts für Sport und Sportwissenschaft am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Das Fitnessbarometer wird von der Kinderturnstiftung Baden-Württemberg bereits seit mehreren Jahren durchgeführt. Der Trend: Die Kinder werden inaktiver, betreiben weniger Freizeitsport und werden dicker.

Die Ergebnisse seien „dramatisch“, sagte Bös. „Von den getesteten drei- bis zehnjährigen Kindern in Baden-Württemberg liegen 12,6 Prozent der Kinder über dem Normalgewicht, davon sind 5,2 Prozent adipös.“ Für den Motorik-Test der Stiftung wurden knapp 23.000 Kinder getestet.

Einige Familien kommen sehr gut mit der Corona-Situation klar, sehen hierin auch eine Chance für ihr Miteinander. Sie schaffen sich einen festen Tagesablauf, essen regelmäßig zusammen.

Diese Struktur fehlt bei einigen und die Angst vor Nahrungsmittelknappheit hat zu Hamsterkäufen geführt. Eltern versuchen, sich im Home-Office zu konzentrieren, aber die Kinder nörgeln, sind gelangweilt, ungeduldig. Da ist es manchmal eben das Einfachste, eine Pizza aufzutauen oder den Burger vom Drive-in zu holen. Gerade wenn Kinder ohnehin Gewichtsprobleme haben, ist das schwierig.

Auch die Europäische Region kämpft gegen Adipositas im Kindesalter und Sachverständige bestätigen, dass Stillen Kinder vor Adipositas schützt

Eine neue Studie des WHO-Regionalbüros für Europa zeigt, dass, trotz der Bemühungen um eine entsprechende Prävention, einige Gebiete der Europäischen Region der WHO weiterhin mit relativ hohen Adipositasraten bei Kindern zu kämpfen haben. Gleichzeitig zeigt eine zweite Studie, dass Säuglinge, die nie oder nur unregelmäßig gestillt werden, ein höheres Risiko für Adipositas im Kindesalter haben.

Je länger ein Kind gestillt wird, desto besser ist es vor Adipositas geschützt. Der Adipositas im Kindesalter – einschließlich der schweren Adipositas – den Kampf anzusagen, kann erhebliche positive Auswirkungen haben – nicht nur für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern, sondern auch für die nationalen Gesundheitssysteme. „Daher müssen wir alles in unserer Macht Stehende tun, um das Stillen in der gesamten Region zu fördern und zu schützen“, sagte Dr. Bente Mikkelsen, Direktorin der Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf beim WHO-Regionalbüro für Europa.

Weiterhin zeigt die Studie Zusammenhänge zwischen dem Stillen und Adipositas in 22 Länder, dass trotz ständiger neuer Forschungserkenntnisse, die auf die gesundheitlichen Vorteile des Stillens hindeuten, sowie zahlreicher politischer Initiativen, die auf die Förderung optimaler Stillpraktiken abzielen, die Rate für ausschließliches Stillen in der Europäischen Region weiterhin unter dem weltweit empfohlenen Wert liegt.

Die WHO empfiehlt, einen Säugling während der ersten sechs Lebensmonate ausschließlich zu stillen. Danach sollte das Stillen möglichst bis zum 2. Lebensjahr oder darüber hinaus fortgesetzt und zusätzlich nahrhafte Beikost zu gefüttert werden.

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