Aktuelle BSI-Studie: Zahl der Cyberkriminalität gestiegen

(Aktion Kinder in Gefahr – DVCK e.V.) Für die Studie hat das BSI im April 2000 Deutsche im Alter zwischen 14 und 69 Jahren befragt. Das erschreckende Ergebnis: Jeder Vierte – also 25 Prozent – war bereits Opfer von Cyber-Kriminalität, etwa vier Prozent der Befragten sogar schon mehrfach. Und: Mehr als zwei Drittel dieser Opfer erlitten auch einen finanziellen Schaden. Am häufigsten kam es zu Betrugsfällen. 

Auch das Bundeskriminalamt (BKA) teilte mit, dass die Zahl der Vorfälle, die von der Polizei registriert wurden, im Vorjahresvergleich um mehr als 15 Prozent auf insgesamt 100.514 anstieg.

Die Besonderheit der Cyberkriminalität besteht darin, dass die Täter nahezu von jedem Ort der Welt aus agieren und ihre Spuren relativ gut verschleiern können. Zudem muss der Tatort nicht zwingend mit dem Taterfolgsort identisch sein. Denn nicht nur die Zahl der betroffenen Computer und Smartphones steigt, sondern auch die Professionalität der Täter. Einerseits versuchen sie weiterhin mit möglichst geringem Aufwand möglichst viele Computer mit Schadsoftware zu infizieren, um beispielsweise Kontodaten und Passwörter zu stehlen.

Oftmals setzten die Täter zusätzlich auf eine Doppelstrategie, bei der zeitgleich auch noch vertrauliche Daten gestohlen würden, teilte das BKA bei der Präsentation des jährlichen Lagebilds zur bundesweiten Entwicklung der Cyberkriminalität mit. Anschließend drohten sie damit, die Informationen zu verbreiten.

Einer der Schwerpunkte dieser Studie war auch das Ausmaß mit problematischen Inhalten im Netz. Vor allem die Verbreitung von Kinderpornographie hat deutlich zugenommen. Zur Anzeige bringt es aber nur die Hälfte der Befragten, die mit kinderpornographischen Inhalten konfrontiert werden. Ein Fünftel würde den Inhalt löschen aber keine weiteren Maßnahmen ergreifen, sagte die Vorsitzende von ProPK, Stefanie Hinz.

Fälle, in denen Erwachsene im Internet bewusst Minderjährige ködern, gibt es jedoch immer wieder, berichtet ein Ermittler für Cyberkriminalität beim Landeskriminalamt (LKA). Demnach sind vor allem Kinder immer häufiger Opfer von Sexualstraftaten im Netz. „Besonders Minderjährige sind im Internet manipulierbar“, sagt der Ermittler.

Häufig werden Opfer sogar weitergereicht. Doch wer ist überhaupt empfänglich für sexuelle Köderei im Internet? Professor Hans-Henning Flechtner, Chef der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Magdeburger Universitätsklinikum, sagt: „Jedes Kind und jeder Jugendliche ist anfällig.“ Denn im Internet erkenne man Gefahren schlechter als in der realen Welt. „Ein reales Gegenüber erzeugt viel mehr Informationen als ein virtuelles. Bei einer Facebook-Bekanntschaft kann ich zum Beispiel keine Blicke beobachten, um zu beurteilen, ob sie gefährlich oder vertrauensvoll ist.“

„Auch sexueller Missbrauch ist eine Pandemie, eine Pandemie mit dramatischem Ausmaß“, warnt der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung. Der Kampf dagegen und für den Kinderschutz dürfe in der Corona-Krise nicht vernachlässigt werden.

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