TIMSS-Studie: Werden Deutschlands Schüler immer dümmer?

(DVCK – Aktion Kinder in Gefahr) Dass das deutsche Bildungssystem versagt zeigt hinlänglich das sinkende Bildungsniveau unserer Schüler – jetzt auch schon in Grundschulen. Die Schulen stehen vor steigenden Herausforderungen, die Klassen werden vielfältiger, der Unterricht aufwendiger. Doch das gilt auch für Österreich – und dort ist das Niveau gestiegen.

Es ist ein eklatantes Bildungsgefälle

Der aktuelle Bildungsbericht zeigt: Das Bildungsniveau der Schulabgänger sinkt. Somit fehlen  geeignete Schulabgänger und zukünftige Fachkräfte. Um den Berufsabschluss zu erreichen, brauchen 60 Prozent der Azubis Nachhilfe in Deutsch und Mathematik: Der Ausbilder wird so zum Nachhilfelehrer der Azubis.

Solange in diesem Land junge Menschen, die sich für eine Lehre entscheiden, als Bildungsabsteiger angesehen werden, läuft generell etwas falsch. Deswegen muss endlich die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung hergestellt werden.

Wie internationale Studien zeigen, so schneiden Deutschlands Grundschüler in den Fächern Mathematik und Naturwissenschaften nur mittelmäßig ab. Und eins ist dabei sehr deutlich zu erkennen: Die Unterschiede zwischen Kindern aus Familien mit und ohne Migrationshintergrund sind in Deutschland groß.

In Mathematik erreichten die 4900 repräsentativ ausgewählten deutschen Schülerinnen und Schüler bei den im vergangenen Jahr durchgeführten Tests einen Punktwert von 521 und blieben dabei ungefähr auf dem Niveau der letzten Erhebung von 2015 (522 Punkte). Sie lagen damit zwar deutlich über dem internationalen Mittelwert (501 Punkte) aller 58 teilnehmenden Staaten und sechs Regionen, aber auch deutlich unter den Mittelwerten der teilnehmenden EU-Staaten und OECD-Staaten.

Damit liegt Deutschland in beiden Bereichen zum Teil deutlich unter dem Schnitt der teilnehmenden EU-Staaten beziehungsweise OECD-Staaten.

Vergleichbar sieht es in den Naturwissenschaften (Physik, Biologie, Chemie, Geographie) aus: Die Grundschüler aus Deutschland landeten mit 518 Punkten über dem internationalen Mittelwert (491), aber ebenfalls unter dem EU- und OECD-Durchschnitt. Zudem hat sich hier das Ergebnis im Vergleich zur letzten Studie (528 Punkte) verschlechtert.

Entsprechend klein ist auch die Leistungsspitze. Nur sechs Prozent der Schüler können der höchsten Kompetenzstufe in Mathematik zugeordnet werden, in Singapur sind es 54 Prozent. Im EU-Durchschnitt erreichen 9,4 Prozent das höchste Leistungsniveau, im Durchschnitt der OECD-Staaten 11,5 Prozent.

Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund liegt in Deutschland mittlerweile bei 22 Prozent, 2007 lag er noch bei 17,2 Prozent. Ziel der Timss-Studie ist eine langfristige Beobachtung und Interpretation der Mathematik- und Naturwissenschaftsleistungen.

Ein sozial ungerechtes Bildungssystem

Auffällig sind wie bei anderen Schulstudien die sozialen Disparitäten in Deutschland. So erzielen Kinder, deren Eltern beide nicht in Deutschland geboren sind, in Mathematik durchschnittlich 34 Punkte weniger, der Abstand entspricht fast einem Schuljahr. In Naturwissenschaften sind es 60 Punkte. Insgesamt beträgt der Leistungsvorsprung von Kindern aus sozial besser gestellten Familien in Mathematik 41 Punkten, in Naturwissenschaften 47 Punkte (OECD jeweils 40 Punkte).

Arme Kinder – ob mit oder ohne Migrationshintergrund, insgesamt rund 20 Prozent aller Kinder in Deutschland – haben noch immer deutlich schlechtere Chancen, ihre Talente werden nicht erkannt.

Die TIMSS-Studie mahnt eindringlich, mehr in die Bildung kleiner Kinder zu investieren und die Grundschulen zu unterstützen. Schon in Klasse vier hat ein Viertel der Schüler den Anschluss verloren, viele werden ihn nie wiederfinden. Und durch Corona, so muss man befürchten, werden es noch mehr.

Wie die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Bildungsministerin in Rheinland-Pfalz (SPD),  Stefanie Hubig von einem „ordentlichen“ Ergebnis sprechen kann bleibt rätselhaft.

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