TV-Nutzung stieg im Jahr 2020 drastisch an

(DVCK e.V. – Aktion Kinder in Gefahr) Die Corona-Pandemie ließ die Fernsehnutzung der Deutschen kräftig ansteigen, bilanziert die AGF Videoforschung. 72 Prozent der über 14-Jährigen schalten 2020 täglich den Fernseher ein – ein Plus von 3,1 Prozent. Die durchschnittliche Nutzungsdauer des Gesamtpublikums ab drei Jahren liegt mit 220 Minuten 10 Minuten höher als 2019. In der werberelevanten Zielgruppe stagniert sie bei 137 Minuten.

Das Fernsehen bei Kindern ist schon früh zum Medium Nummer eins geworden. Schon Zwei- bis Dreijährige sehen regelmäßig fern – etwa ein Drittel sogar jeden oder fast jeden Tag. Ungefähr ab dem vierten Lebensjahr gewinnt Fernsehen dann stark an Bedeutung und die tägliche Nutzung steigt deutlich an (zwei Drittel der vier- bis fünfjährigen Kinder sehen dann täglich oder fast täglich fern). In diesem Alter verdrängt das Fernsehen auch die Bücher von Platz eins: Während für die Mehrheit der Zwei- bis Dreijährigen noch Bücher unverzichtbar sind, ist für Vier- bis Fünfjährige das Fernsehen das wichtigste Medium.

Fernsehen kann Kinder leicht überfordern und birgt (auch langfristig) zahlreiche Gefahren

Fernsehen birgt auch Gefahren – insbesondere für Kinder. Es kann sie überfordern, ängstigen oder verstören oder ihnen eine vermeintlich wirkliche Welt „vorspielen“. Und es kann so viel Zeit beanspruchen, dass für andere, wichtige und schöne Dinge wie Spielen, Lesen und ausreichend Bewegung keine Zeit mehr bleibt.

Erwachsene verstehen einen Film aus rationaler Distanz, sie wissen dass das eine gespielte Form der Darstellung ist. Kinder unter sechs Jahren dagegen können bei Filmen nicht zwischen Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden. Sie erleben das Gesehene anders als Erwachsene und reagieren oft mit ihrem ganzen Körper (z.B. kein ruhiges Sitzen). Kleine Kinder können auch den in Filmen vorhandenen Zeitraffer oder die Vergrößerung von bestimmten Gegenständen nicht verstehen.

Der aufgebaute Erregungszustand und das Gefühlschaos werden individuell verarbeitet. Mal mit aggressivem Nachspielen, mal mit ängstlichen Träumen. Kleine Vielseher sind demzufolge durch die Reizüberflutung permanent überfordert und können massive Verhaltensstörungen entwickeln.

Auch der enge Zusammenhang zwischen Fernsehkonsum und Schul- bzw. Lernerfolg ist unumstritten: Kinder, die einen Fernseher im Zimmer haben, schneiden bei Lese-, Mathematik- und Verständnistests deutlich schlechter ab als Gleichaltrige. Kinder mit einem hohen Fernsehkonsum sind dazu noch bewegungsfaul und antriebsarm. Die vielen Werbespots regen die Kinder dann noch zum Naschen von Chips und Schokolade an. Der Zusammenhang zwischen hohen TV-Konsum und Übergewicht ist auch wissenschaftlich erwiesen.

Der Fernseher sollte nicht im Kinderzimmer stehen!

Zwischen schulischem Lernen und Fernsehkonsum sollten 30 minütige Pausen liegen. Neurobiologen haben erkannt, dass sonst Lerninhalte gelöscht werden oder nicht ins Langzeitgedächtnis gelangen, da der Reiz von den TV-Bildern sonst zu stark ist.

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