Die komplette Vermarktung eines Lebens in Youtube: BibisBeautyPalace

Christiane Jurczik

Während Kinder früher Bibi Blocksberg Fans waren, ist heute eher Bibis Beauty Palace im Trend. Bibis Beauty Palace ist mit rund 6 Millionen Abonnenten einer der erfolgreichsten deutschsprachige YouTube-Kanäle. 2012 eröffnete Bianca Heinicke diesen Kanal und macht seitdem mit ihren Videos zu den Themen Kosmetik, Mode und Lifestyle ein Vermögen. Es wird aber auch wirklich alles Vermarktet – das komplette Leben samt Hochzeit, Hauskauf und Kinder.

Im Internet veröffentlicht die Rheinländerin zwei Mal pro Woche ein neues Video. Mal verrät sie ihren Fans Beauty-Tipps und erklärt, wie sie sich schminkt. Ein anderes Mal postete sie Filmchen von den Urlaubsreisen, die sie zusammen mit ihrem Freund Julian Claßen dreht. Dann wieder gibt es einen “Haul” genannten Clip, in dem sie ihren vielen Followern verrät, was sie sich gerade gekauft hat.

Das Manager Magazin schätzte ihren Einnahmen auf rund 110.000 Euro pro Monat. Davon müssen natürlich noch Steuern und Fixkosten gezahlt werden. Dies muss man auch bei ihrem Jahreseinkommen bedenken, die Einkünfte sind noch vor Steuern. Doch wie viel Geld konnte sie in all diesen Jahren wirklich anhäufen? Geschätztes Vermögen von Bianca Claßen: circa 3 Millionen Euro.

Gemeinsam mit der Marketing- und Vertriebsagentur Philosophy Brands brachte sie 2015 einen Duschschaum auf den Markt, der sich speziell an Teenager richtet. Seitdem kreiert Bibi Duschschäume am laufenden Band – mit verrückten Düften wie Donuts mit Erdbeerglasur oder Zuckerwatte. Das auffällige Design der Aerosol-Dosen mit bunten Zeichnungen und lustigen Icons hebt sich ebenso wie die Düfte deutlich vom bestehenden Sortiment im Regal ab. Der Verkauf der ersten Produkte war von einem regelrechten Hype geprägt. Als die beiden ersten Duschschäume im November 2015 exklusiv zunächst nur in die Drogeriemärkte „dm“ kamen, erzielte die neue Marke bilou – kurz für „Bibi loves you“ – einen bemerkenswerten Marktanteil von 10 Prozent im Duschbadsegment, die Läden wurden gestürmt, die Produkte waren vielerorts schon mittags ausverkauft.

Nun werden immer neue Produkte auf den Markt gebracht. Angepasst an die Jahreszeiten gibt es im Sommer Körpersprays in allen Duftvariationen zu kaufen, im Winter pflegende Creme. Die meist jugendlichen Käufer müssen 3,95 Euro für 200 Milliliter Duschschaum bezahlen. Bibis Fans scheint der hohe Preis nicht zu stören, sie zahlen ihn klaglos von ihrem Taschengeld, weil sie sich mit ihr und ihren Produkten identifizieren.

Eine bessere Verkäuferin können sich deutsche Marken kaum wünschen

„Ihr wisst sicherlich, dass ich mit Always zusammenarbeite, weil ich es einfach großartig finde, wie sich die Marke für junge Mädchen einsetzt, und das unterstütze ich sehr, sehr gerne“, flötet sie zum Beispiel in ihrem aktuellen Video („Meine Top 10 Lifesaver“) – und führt ein klassisches Verkaufsgespräch: „Was ich an den Always Ultra Binden so klasse finde, ist, dass sie mit einem Gelkügelchen-Prinzip arbeiten.“ Und dann folgt eine Demonstration der Binde mit blauer Flüssigkeit, ganz genau wie in der Fernsehwerbung. Während Fernsehwerbungen jedoch von jungen Mädchen immer weniger gesehen werden, wurde dieses Video bereits über eine Millionen Mal geklickt. Ihre weiteren „Lifesaver“ sind unter anderem eine Kodak-Fotoapp („mega cool“) und ein Schokobrunnen in Pink („Oh mein Gott, als ich das gesehen habe, bin ich ausgerastet“).

Wie sehr sich eine Zusammenarbeit mit der YouTuberin lohnt, zeigt zum Beispiel der Fall Neckermann: 2014 waren Bibi und ihr Freund Julian auf Reisen und flogen unter anderem auf die Malediven. Julian ist ebenfalls YouTuber, seinen Kanal „Julienco“ haben knapp 1,5 Millionen Menschen abonniert. Gemeinsam sind Bibi und Julienco so etwas wie das Power Couple der deutschen YouTuber. Die Kamera hatten sie auf ihrer Reise natürlich immer gezückt und es entstanden zwei Videos voller „Ooooohs“ und „Aaaaahs“. Ihre Trips wurden von Neckermann gesponsert – und waren für das Unternehmen ein riesiger Erfolg.

Ein Punkt, den Kritiker an “BibisBeautyPalace” monieren: Mit ihren Verkaufssendungen, die Jan Böhmermann einmal als Mischung aus “Coolness von QVC, kombiniert mit der Seriösität und Transparenz von 9live” bezeichnet hat, zieht sie ihren zumeist jugendlichen Zuschauern gnadenlos das Geld aus der Tasche. Das mag bei einem neuen Shampoo noch vertretbar sein – mit irgendetwas muss man sich schließlich die Haare waschen. Doch wenn die Millionärin ihren 13-jährigen Zuschauern eine Uhr für 250 Euro schmackhaft macht, ist das mehr als problematisch. Zumal Heinicke nicht deutlich macht, dass sie am Verkauf verdient. Ein guter Teil ihres Vermögens basiert also auf dem Taschengeld Minderjähriger.

Die Vergötterung kennt keine Grenzen

Die weltexklusive Nachricht über ihre eigene Schwangerschaft vermarktete Bibi in einem dreiminütigen Videoclip der innerhalb der ersten fünf Stunden knapp zwei Millionen Mal aufgerufen wurde:

Das junge Paar schlendert also durch den Wald, Musik dudelt im Hintergrund, die Klamotten sind farblich aufeinander abgestimmt. Er pflückt ihr ein Blümchen, sie rettet eine Raupe, sie tanzen im Sonnenschein über eine Wiese. Es sieht aus wie einer dieser Werbespots für Lebensversicherungen oder Waschpulver. Aber das Video trägt den Titel “Changes” und teilt der interessierten Weltöffentlichkeit mit: Bianca Heinicke, 25 Jahre alt und Deutschlands größter Youtube-Star, ist schwanger.

Mehr als fünf Millionen Menschen haben Heinickes Youtube-Kanal “Bibis Beauty Palace” abonniert, weitere 5,8 Millionen folgen ihr auf Instagram Influencer sind Menschen, die ihr Geld damit verdienen, möglichst viele Anhänger in sozialen Netzwerken zu haben und diesen Einfluss dann mithilfe der Werbeindustrie zu monetisieren. Bianca Heinicke ist die Königin dieser Branche. Diese Nachricht ist eine Erweiterung des eigenen Geschäftsmodells:

Bibi bekommt ein Bibibaby, da können Wirtschaft und Werbung kaum mehr an sich halten vor Begeisterung.

Sie war außer sich vor Freude. Zumindest hat es den Anschein gemacht. “Mein Herz hat aufgehört zu klopfen”, sagt die junge Blondine in ihrer Video-Botschaft. “Ich habe einen richtig hysterischen Heulkrampf bekommen, ich war emotional überfordert”, sagte Bianca Heinicke, die alle Welt nur ‘Bibi’ nennt.

So erweiterte sie ihre Social-Media-Kanäle mit neuen Themen rund um Schwangerschaft und Baby. Neue Themen bringen neue Follower, neue Partner, neue Produkte. Diese Schwangerschaften wurden buchstäblich ausgeschlachtet. Von A-Z wurde alles vorgestellt was eine Schwangere unbedingt braucht – oder auch nicht. Egal, alles wurde vermarktet.

Ihre Schwangerschaft war also nicht nur Privatsache, sondern auch eine Erweiterung ihres Geschäftsmodells. Jetzt kann sie noch mehr Geld mit Werbung verdienen. Werbefachleute rechneten eine Steigerung des Vermarktungspotenzials von “mindestens 50 Prozent” aus.

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