Schulen im Lockdown und die Folgen

(DVCK e.V. – Aktion Kinder in Gefahr) Die Kultur- und Bildungsorganisation UNESCO warnt vor den Folgen geschlossener Schulen.

Die Bildungslücken würden größer, und die Lernentwicklung sei schon jetzt langsamer geworden. Schwerwiegende Konsequenzen drohten, gerade für die Jüngsten und ohnehin schon benachteiligte Kinder.

Geschlossene Schulen, Lernplattformen und Eltern am Limit: Die Covid-19-Pandemie hat nicht weniger als die größte Störung der Bildungssysteme in der Geschichte verursacht. So schätzt das die UN-Kultur- und Bildungsorganisation Unesco ein. „Lernverluste drohen auch über diese Generation hinaus und machen jahrzehntelange Fortschritte zunichte“, hieß es in einer Einschätzung vom vergangenen Sommer. Seitdem hat sich die Lage kaum gebessert. In Deutschland sind die Schulen wieder geschlossen – wieder Fernunterricht und Notfallbetreuung. Wie wirkt sich das aus?

Rund 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen gaben an, dass sie sich durch die Corona-Krise seelisch belastet fühlen. Ihr Risiko für eine psychische Auffälligkeit stieg hierbei von 18 auf 31 Prozent. Das besagt eine kürzlich veröffentlichte Studie aus Hamburg.

„Es gibt auch Symptome, die sich nach außen wenden: Es gibt einen vermehrten Konsum von Drogen, mehr Impulsivität und Wut. Schulkinder hatten teilweise Mühe sich zu konzentrieren und waren unaufmerksamer. Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas. Dort, wo es vorher schon schwierig war, ist das deutlich befeuert worden. Der im Gasthaus trinkende Vater hat während der Quarantänezeit nicht im Gasthaus, sondern zu Hause getrunken. Ich würde die Risiken ausweiten. Nicht nur finanzielle Probleme, sondern die psychische Vulnerabilität der Eltern vor der Krise oder gar manifeste psychische Erkrankungen sind ein eindeutiges Risiko für familiären Stress – und damit ist die Bewältigung für ihre Kinder schwieriger, so die Aussagen von Experten.

Diese Krise hat das Potenzial, dass sich Traumasymptome entwickeln können, und das sieht man auch Kindern: Angst, Stress, Zwang, Depressionen. Aber diese Krise ist noch umfassender. Sie gefährdet Arbeitsplätze von Zigtausenden. Sie hat diese familiären Ausnahmekonstellationen geschaffen – durch Quarantäne, durch Schulschließungen, durch Zusperren der Sportanlagen, die Nichterreichbarkeit des medizinischen Versorgungssystems für Routineuntersuchungen und keinen Zugang zu Psychotherapien.

Experten verweisen auf den kaum noch nachzuholenden Schulstoff. Onlineangebote seien „nicht unbedingt hilfreich“, wenn kein Computer verfügbar sei oder die Eltern nicht beim Lernen helfen könnten. Dadurch vergrößerten sich soziale Unterschiede.

Eltern werden erneut vor die unlösbare Aufgabe gestellt, Kinderbetreuung und Lohnerwerbsarbeit über Wochen parallel auszuüben. Kinder aus benachteiligten Familien werden wieder sich selbst überlassen, die Verantwortung wird erneut ins Private abgeschoben. 

Unverständnis und Wut bei vielen Familien

Wer darf die Notbetreuung in der Schule in Anspruch nehmen? In Hessen gibt es einen Fall, da hieß es zum Beispiel, dass Mutterschutz kein Grund sei. Das ist wirklich brutal. Wenn man gerade ein Kind geboren hat, ist man körperlich erschöpft, fertig, hat einen Säugling, um den man sich kümmern muss und dann soll man nebenbei noch Schulkinder unterrichten? Das finde ich gnadenlos. Auch die Kontaktbeschränkungen machen wütend: Zwei Jungs dürfen sich nicht mehr zum Fußball spielen treffen, aber die Bundesliga läuft weiter. Das kann man alles nicht mehr verstehen. Und für Alleinerziehende ist die Situation noch schwieriger. 

Die Bundespolitik wird stark von Menschen bestimmt, die keine Kinder haben: Die Kanzlerin hat keine Kinder, Jens Spahn nicht, der Kanzleramtschef Helge Braun auch nicht und darin spiegelt sich wider, dass Familien keine Priorität haben. 

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