Sex als neue Einkommensquelle in Social Media

Christiane Jurczik

Onlyfans heißt für viele junge Mädchen der neue Arbeitsplatz – eine Online-Plattform, bei der man ein öffentliches Profil erstellen kann. Diesen Profilen kann man gegen Geld folgen. Dann werden Videos und Fotos exklusiv für die zahlenden Follower freigeschaltet. Meistens sind das erotische bzw. pornografische Inhalte. Dieses Abo für ein Profil wird monatlich abgerechnet und muss wieder gekündigt werden.

Auf dieser Plattform wird billiger Sex als Lifestyle verkauft. Während der Corona-Zeit stieg die Zahl der Mitglieder von sieben auf neunzig Millionen.

Täglich melden sich 200.000 bis eine halbe Million (Höchststand) neue Nutzer auf der Plattform an, auf der man selbst erstellte Videoinhalte verkaufen und kaufen kann. Der Umsatz 2020 betrug laut Unternehmensangaben rund zwei Milliarden US-Dollar, wobei etwa 20 Prozent als Profit über blieben. Die Plattform verfügt über 117 Millionen User und mehr als eine Million sogenannte „Creators“. OnlyFans ist eine Social Media Plattform, die im Grunde ähnlich aufgebaut ist wie Instagram.

Das Netzwerk ist nur für Erwachsene, und man kann dort Inhalte bis zur Hardcore-Pornografie einstellen. Wer sie sehen will, muss ein Abo bezahlen. Interessanterweise übt dieser Online-Dienst aktuell auch eine gewisse Anziehungskraft auf den Pop aus. Es gibt gleich mehrere Künstlerinnen, die „OnlyFans“ in ihrer Musik thematisieren und dadurch womöglich auch zu einer Stigmatisierung von Sex-Arbeit beitragen. Von wegen moderner Feminismus – eher billige Pornographie!

Arbeitslose wagen sich auf die Plattform

Besonders Arbeiter aus den Bereichen Stripper, Sexworker und Porno-Stars, aber auch Menschen die ihre Jobs verloren haben, wichen auf die Plattform aus und trafen auf einen Schwall begieriger Konsumenten, die bereit waren Geld für nackte Haut und/oder besondere Wünsche zu zahlen.

Wie die Huffington Post und der San Francisco Chronicle berichteten, versuchten viele US-Bürgerinnen, die plötzlich arbeitslos waren, mit dem Verkauf von Nacktfotos und Videos mit sexuellem Inhalt über OnlyFans Geld zu verdienen. Die Plattform selbst brachte eine Anleitung heraus, wie es funktioniert.

Auch wenn der Betreiber versucht hat, auch andere Künstler und „Creators“ auf seine Webseite zu locken (Comedians, Fitness-Coaches, Sprachlehrer und Beauty Influencer), der Großteil des Inhaltes auf OnlyFans bleibt pornographischer Natur. Das hat der Plattform einiges an Kritik eingebracht, da sich viele junge Mädchen dort tummeln, Fetische und „Desires“ befriedigen und sich dafür mit Geld oder Geschenken per Amazon-Wishlists entlohnen lassen.

Traurig: Viele junge Mädchen, die sich auf Instagram, Facebook oder Tik Tok bewegen, machen die Erfahrung, dass ihre Follower nur auf ihre Volljährigkeit warten, damit sie auf Onlyfans Plattform mehr zeigen, als sie bisher durften. Hier geht es nicht nur um den Reifegrad eines Menschen, sondern auch darum, dass die drei gennannten Plattformen strikte Regeln haben, was Nacktheit und Pornographie betrifft – und Accounts bei Verstößen sofort gelöscht werden. Nutzer haben so kaum die Möglichkeit, mit ihrem Körper Geld zu verdienen. Anders als bei OnlyFans.

In Wahrheit aber wird auch auf Instagram, Facebook und Co. zum Teil rassistisches, sexistisches und schlichtweg menschenverachtendes Gedankengut verbreitet, Menschen werden öffentlich zu Gewalt und Hass aufgerufen.

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