Gefährlicher Trend: Drunkorexie – Hungern für Vollrausch

Christiane Jurczik

Trinken, bis der Arzt kommt – ein Spruch, der leider nur zu häufig wahr wird. Laut Bundesministerium für Gesundheit konsumieren 6,7 Millionen Deutsche Alkohol in „gesundheitlich riskanter Form“ (Stand: 2020). Gerade in Pandemiezeiten kann der Wunsch groß sein, sich zu berauschen und dem Alltag so für einen Moment zu entfliehen. Ärzte und Psychologen beobachten jedoch nicht erst seit der Corona-Krise bei Frauen und auch Männern ein besorgniserregendes Verhalten – ein Phänomen, das sie „Drunkorexie“ getauft haben und das im schlimmsten Fall tödlich enden kann.

Der Begriff „Drunkorexie“ setzt sich aus dem englischen Wort „drunk“ (betrunken) und „Anorexie“, dem medizinischen Fachbegriff für Magersucht, zusammen. „Drunkorexie“ ist keine offiziell anerkannte Krankheit. Es beschreibt vielmehr ein Verhalten, das mit essgestörtem Denken und hohem Alkoholkonsum einhergeht. Betroffene fürchten, durch regelmäßiges Trinken und Feiern zuzunehmen.

Die Drunkorexie ist eine Essstörung, die mit Alkoholkonsum in Verbindung steht. Davon betroffen sind vor allem Jugendliche und junge Erwachsene, die gerne Alkohol in größeren Mengen zu sich nehmen, etwa auf Partys. „Sie reduzieren ihre Kalorienaufnahme beim Nahrungsverzehr mehrere Tagen oder Wochen vor einem geplanten Alkoholexzess und erreichen dadurch, dass der Alkohol sie schneller und stärker berauscht“, schreiben die Autoren. Werden lebensnotwendige Kalorien nicht durch Nahrung, sondern vor allem durch Alkohol aufgenommen, verhindert dies nach Meinung der Betroffenen eine Gewichtszunahme und bewirkt eine Gewichtsreduktion.

Forscher haben 513 männlichen und 334 weiblichen Personen mit Drunkorexie im Alter von vierzehn bis 22 Jahre herausgefunden, dass die Essstörung mehrere Ursachen hat, etwas ein geringes Selbstwertgefühl, Defizite in der Emotionsregulation, Unsicherheit und Perfektionismus.

Darüber hinaus wollen die Betroffenen ihren Körper kontrollieren und seine Bedürfnisse unterdrücken. Außerdem wollen sie andere beeindrucken und nicht erwachsen werden.

Auch immer mehr junge Briten springen auf den diesen Party-Trend auf, so der Gesundheitsverband Benenden in seinem Bericht aus 2015. Die Besorgnis der Gesundheitsexperten wächst. Bei dem neuen Party-Phänomen geht es darum, weniger Kalorien durch Speisen aufzunehmen und somit mehr Alkohol trinken zu „dürfen“, ohne dabei zuzunehmen. Die Studie bestätigt, dass junge Menschen in Großbritannien lieber weniger essen, um Kalorien für den Alkoholkonsum aufzusparen.

Zwei von fünf Briten (41 Prozent) zwischen 18 und 24 geben an, sich gesund zu ernähren, um gut auszusehen – nicht der allgemeinen Gesundheit wegen. „Der Schlankheitswahn, das bewusste Kalorienzählen und der Gruppenzwang, große Mengen an Alkohol zu konsumieren, spielen in dieses Phänomen mit hinein“, heißt es im Bericht.

Drunkorexie kann zu Alkoholvergiftung, Unterernährung und im Extremfall zum Tod führen. Um junge Menschen vor Drunkorexie zu schützen, sollten sie nach Ansicht der Autoren darin geschult werden, auf ihre körperlichen und emotionalen Bedürfnisse zu hören, sie zu tolerieren und adäquat zu befriedigen.

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