Besonders gefährlich: Selbstverletzung

Christiane Jurczik

Etwa jeder dritte Jugendliche in Deutschland hat sich schon einmal selbst verletzt. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich auf einem Spitzenplatz. Laut aktueller Studien gibt es zwei Gruppen, die besonders anfällig für selbstverletzendes Verhalten sind:

1. Kinder und Jugendliche mit Anzeichen von Depressionen, weiterhin Probleme mit Freunden und der Familie hatten und gemobbt wurden.

2. Kinder und Jugendliche die besonders impulsiv und risikobereit waren.

Bei allen jungen Menschen wurden häufige Schlafprobleme und ein geringes Selbstwertgefühl festgestellt.

Paul Plener, Professor für Kinder und Jugendpsychiatrie an der MedUni Wien erklärt folgendes: „Selbstverletzung kommt besonders häufig vor bei Jugendlichen, die ihre negativen Gefühle vergleichsweise intensiv wahrnehmen. Ein anderer Grund für Selbstverletzungen ist das Bedürfnis, überhaupt etwas zu fühlen und auch der Wunsch, über etwas im Leben die Kontrolle zu haben – und sei es nur über den eigenen Schmerz.“

Selbstverletzung in den sozialen Medien fördert Suchtgefahr

Jugendschützer warnen vor Beiträgen in Foren und sozialen Netzwerken, die Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten verharmlosen oder verherrlichen. Sie beobachteten im vergangenen Jahr 4643 Beiträge mit Inhalten zu selbstgefährdendem Verhalten. Dazu gehörten Webseiten, Foren und Onlineshops sowie Beiträge in sozialen Medien. Für 941 Fälle wurden Maßnahmen eingeleitet, weil aus Sicht von jugendschutz.net ein Verstoß gegen jugendschutzrechtliche Bestimmungen vorlag. Ein Drittel der problematischen Seiten verherrlichten laut jugendschutz.net selbstverletzendes Verhalten.

Die große Mehrheit sei in sozialen Netzwerken verbreitet worden (93 Prozent). 52 Fälle haben die Jugendschützer bei der Polizei anzeigt – vor allem Beiträge, in denen Jugendliche einen Suizid ankündigten oder einen Partner dazu suchten. 33 weitere Inhalte seien an die Kommission für Jugendmedienschutz weitergeleitet worden, um eine mögliche Indizierung zu prüfen, berichtet die Saarbrücker Zeitung im Januar 2021. Weiterhin gehen Forscher davon aus, dass es beim ersten Kontakt mit selbstverletzendem Verhalten so etwas wie eine soziale Ansteckung gibt durch Freundinnen oder Klassenkameraden. Auf Social Media gibt es zudem Apps, Blogs und YouTube-Videos, in denen sich die Jugendlichen über Selbstverletzung austauschen.

Das ganze Ausmaß findet noch eine Steigerung

Eine noch extremere Form der Selbstverletzung bei Jugendlichen ist das Self-Em-Bedding (SEB). Die Betroffenen schieben oder stechen sich Sachen wie, Heft- und Büroklammern, Nadeln, Bleistiftminen oder Glassplitter unter die eigene Haut.

„Beim Schneiden ist mir das Messer abgerutscht, beim Abwaschen ist mir ein Glas zerbrochen, ich hab nicht aufgepasst und habe an das heiße Bügeleisen gefasst“ – die Ausreden der jungen Menschen die sich regelmäßig selbst verletzen ähneln sich oft.

Die Kinder verletzen sich mit Klingen, Scherben oder Messern. Aber auch Verbrennen mit Zigaretten, Bügeleisen, Verbrühen, Beißen, Schlagen des eigenen Körpers bis hin zu Knochenbrüchen, Haare und Wimpern ausreißen oder extremes Nägelkauen bis aufs Nagelbett sind Beispiele für Selbstverletzungen. „Dissoziative Automutilation“ nennen Mediziner dieses Verhalten. Oft verletzen sie sich an Stellen, die man unter der Kleidung gut verstecken kann – also Arme, Beine, Brüste oder Bauch. Das macht es für Eltern häufig schwer die Gefahr für Leib und Seele an ihren Kindern rechtzeitig zu erkennen. Hier bekommen Betroffene Hilfe:

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