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Immer mehr sexualisierte Gewalt unter Kindern

Christiane Jurczik

Erschreckend: unaufhaltsam steigen die Zahlen der Opfer durch sexualisierte Gewalt.

Schockierend: die Täter sind minderjährige Kinder und oft im gleichen Alter wie Ihre Opfer.

Die Auswertungen der Polizeilichen Kriminal Statistik (PKS), Zahlen des LKA und BKA sowie Zahleiche Angaben durch Fachärzte und Lehrer zeigen einen Trend, der mit der Corona-Pandemie noch gestiegen ist. Gewalt und sexualisierte Gewalt gelangen immer öfter durch Smartphones zu den Kindern. Nicht selten sind es Grundschulkinder! Gerade soziale Netzwerke bergen ein hohes Risiko für Kinder und Jugendliche sexueller Gewalt ausgesetzt zu sein.

Es fängt mit dem ansprechen an

Cybergrooming findet vor allem dort statt, wo Kinder und Jugendliche im Netz aktiv und vor allem interaktiv sind: auf Online-Plattformen wie YouTube oder TikTok, in sozialen Netzwerken wie Instagram, in Gruppenchats bei WhatsApp oder auf Spiele-Plattformen.

Es soll Vertrauen aufgebaut werden

Die Täter versuchen mit falschem Namen und falscher Identität bei den Kindern Vertrauen aufzubauen. Gaukeln ihnen gleiche Interessen und Hobbys vor umso an private Informationen zu kommen. Langsam baut sich die natürliche Vorsicht der Opfer ab und die Täter bauen ein Freundschafts- und Abhängigkeitsverhältnis auf. Damit manipulieren sie die Kinder und bewegen sie zu sexuellen Handlungen. Die Täter drohen diese Bilder im Netz zu verbreiten. Damit werden die Kinder erpresst und zu weiteren Handlungen aufgefordert. Nicht selten verbunden mit persönlichen Treffen.

Sexting-Aufnahmen ohne Zustimmung der Absender weiterzuleiten ist eine Form von sexualisierter Gewalt. Die Bloßstellung, die mit der unautorisierten Verbreitung an Dritte in der Schule oder in Bekanntenkreisen verbunden ist, beschämt die Betroffenen zutiefst. Oft ist dies der Beginn für lang andauerndes Mobbing und verursacht viel Leid. Einmal ins Netz gestellt sind die Aufnahmen weltweit abruf- und kopierbar.

Die Leiterin und Psychologin Lidija Baumann vom Kinderschutzzentrum in Kiel schildert Fälle von sexualisierter Gewalt unter Kindern. Es gebe Fälle, in denen Kinder in der Schule oder auch in der Kita andere Kinder bedroht haben, “sie gezwungen haben zu Handlungen, die die Kinder absolut abgelehnt haben, sie verängstigt haben und es deutlich sexualisierte Grenzüberschreitungen waren.“ Die Psychologin redet hier nicht von den viel zitierten Doktorspielchen, sondern von viel heftigerer Gewalt, berichtet ndr.de am 10.02.22.

In den letzten Jahren gab es einen massiven Anstieg an Straftaten im Bereich von Missbrauchsdarstellungen. Server, die sich in der EU befinden, hosten heute die weltweit größte Anzahl an Missbrauchsdarstellungen im Internet. Die Meldungen über Missbrauch im Netz sind von 23.000 Fällen im Jahr 2010 auf mehr als 725.000 Fälle im Jahr 2019 angestiegen. Diese Zahlen betreffen lediglich das Hellfeld, die meisten Taten werden nicht bekannt. Sie erscheinen daher in keiner Kriminalstatistik und werden auch nicht verfolgt.

Kinder, die sexuell missbraucht und dabei aufgenommen wurden, haben eine besondere Belastung zu ertragen. Zusätzlich zu den schmerzhaften und ihr Leben beeinträchtigenden Folgen sexueller Gewalt müssen sie mit dem Wissen leben, dass der Missbrauch bildlich weiter existiert und verbreitet wird. Die beim Missbrauch erlebte Ohnmachtserfahrung setzt sich durch die Verbreitung der Missbrauchsdarstellungen fort. Das erschwert die Verarbeitung von sexuellem Missbrauch erheblich.

Die meiste Fälle werden nicht angezeigt – die Dunkelziffer ist hoch

Das Landeskriminalamt weist auf die Strafmündigkeit hin. Wer bei begehen der Tat unter 14 Jahre alt ist gilt nach dem Gesetz als schuldunfähig. Dadurch werden viele Straftaten durch sexualisierte Gewalt gar nicht erst angezeigt. Mit dem Begriff Missbrauchsdarstellung soll verdeutlicht werden, dass es keine erlaubten sexualisierten Darstellungen von Kindern geben kann, sondern jede sexuelle Handlung vor oder an einem Kind einen Missbrauch beziehungsweise sexuelle Gewalt darstellt.

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