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Übergewicht und Adipositas durch Werbung

(DVCK e.V. – Aktion Kinder in Gefahr) Kinder in Deutschland sehen am Tag etwa 15 Werbespots für ungesunde Lebensmittel. Zehn durch Fernsehen und 5 durch das Internet. Kinder sind eine beliebte Zielgruppe für jeden Marketingbereich. Allein im Lebensmittelbereich liegt der Werbe-Etat von Unternehmen in Deutschland bei etwas mehr als drei Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte des Geldes werde gezielt für Werbung an Kinder und Jugendliche ausgegeben. Diese perfiden Strategen locken die Kinder mit ihren Lieblingsfiguren und Helden aus Film und Fernsehen. Die Kleinsten verbinden mit ihnen positive Gefühle und Kinder glauben an das was sie da sehen.

„Die Absichten von Werbung verstehen Kinder im Vorschulalter noch nicht, weil sie sich hierfür in die mentalen Vorgänge anderer Personen hineinversetzen müssten“, erklärt Dr. Sabine Völkel. Am Institut für Medienforschung an der Technischen Universität Chemnitz forscht sie zu Medien- und Werbekompetenz bei Kindern sowie frühkindlichem Bildverstehen. Wenn also ein Produkt ein Lebensgefühl verkaufen will verstehen Kinder diese subtilen Botschaften erst ab einem Alter von etwa 11 Jahren.

Durch ihre naive Art werden Kinder sehr leicht durch Werbung beeinflusst. Schon im Kindergarten suchen sie Vorbilder wie zum Beispiel Comichelden, Prinz und Prinzessin aus Disneyfilmen oder Zeichentrickfiguren. Werbung haftet wie Kaugummi in den Köpfen der Kinder und wenn sie dann diese Figuren auf den Verpackungen von Gummibärchen, Joghurt oder Schokolade wiedersehen möchten sie diese natürlich unbedingt haben.

Für ihre Werbefiguren entwickeln Marketing-Experten eigene Geschichten. Das Produkt bekommt ein oder zwei „Helden“, die Abenteuer erleben. So werde die Marke positiv im Gedächtnis der Kleinen verankert, erklärt Foodwatch-Campaignerin Molling. Dazu gibt es passende Internet-Seiten voller Spiele, Clips, Musiken. Es sei immer schwerer zu erkennen, wo die Unterhaltung aufhöre und wo die Werbung beginne, sagt Molling: „Die Kinder schauen sich Filme an und sollen letztlich damit dazu gebracht werden, ein Produkt zu kaufen.

Leider sind diese Produkte weder gesund noch haben sie irgendeinen Nährwert – im Gegenteil – sie machen dick und sorgen durch ihren hohen Fett- Salz- und Zuckergehalt auch für schlechte Zähne. Hauptursache und Langzeitfolgen durch Kinderwerbung sind Übergewicht und Adipositas. So sind Kinder zunehmend schon in jungen Jahren von Begleiterkrankungen betroffen: Immer häufiger lautet die Diagnose Bluthochdruck, Fettleber oder gestörter Zuckerstoffwechsel – bis hin zu Typ 2 Diabetes, der normalerweise nur bei Älteren auftritt.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) äußerte sich zum Werbeverbot: “Werbung darf Kinder nicht dazu verleiten, sich ungesund zu ernähren.” Deshalb fordert sie den Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft dazu auf die Verhaltensregeln zu verschärfen. Nach Meinung der Verbraucherorganisation Foodwatch könnte Klöckner umfassende Werbebeschränkungen als Bundesgesetz auf den Weg bringen.

Deshalb sind auch Eltern in der Pflicht ihren Kindern zu erklären was Werbung bedeutet und ihnen einen verantwortungsvollen Umgang mit Werbung vorleben. Das eigene Konsumverhalten hat immer Auswirkungen auf das Verhalten der Kinder.

Foto: Vector de Comida creado por macrovector – www.freepik.es

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