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Verrohung unserer Konzentration durch digitale Ablenkung

Maximilian Klieber

Viele von uns kennen das Gefühl: Ständige Benachrichtigungen, E-Mails, Social-Media-Updates und die endlose Flut digitaler Informationen, die unseren Alltag bestimmen. Doch was steckt hinter dieser digitalen Reizüberflutung, und wie können wir uns davor schützen? In einer Welt, in der Smartphones und Tablets allgegenwärtig sind, ist es an der Zeit, unsere Beziehung zur digitalen Technologie zu überdenken und Strategien zu entwickeln, um unseren geistigen Fokus wieder zu stärken.

Der Mythos des Multitaskings:

Einer der Irrtümer unserer Zeit besteht darin zu glauben, dass Multitasking möglich und produktiv sei. Tatsächlich können unsere Gehirne keine echte Multitasking-Fähigkeit entwickeln. Was oft als Multitasking empfunden wird, ist tatsächlich ein schnelles Hin- und Herspringen zwischen verschiedenen Aufgaben. Und selbst das gelingt uns nur mäßig. Die begrenzte Verteilung des Blutflusses im Gehirn ist eine simple Erklärung dafür, warum wir nicht effektiv mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen können. Unser Gehirn kann nur begrenzte Ressourcen auf eine Tätigkeit lenken, und der Versuch, viele Dinge gleichzeitig zu tun, führt zu Stress und schlechterer Leistung.

Die Biologie des Multitaskings:

Die biologischen Grenzen des Multitaskings werden durch die begrenzte Durchblutung des Gehirns während verschiedener Aktivitäten erklärt. Forschungsergebnisse legen nahe, dass das Gehirn in aktiven Phasen, wie dem Tippen auf einem Smartphone, nur begrenzt mehr Blutfluss zuweisen kann, und das auf Kosten anderer Gehirnregionen. Dauerhaftes Multitasking führt zu einer Überproduktion von Stresshormonen und kann die Anfälligkeit für Depressionen erhöhen. Es schadet auch den Neuronen im Hippocampus, einem wichtigen Bereich für das Gedächtnis und die Informationsverarbeitung.

Entscheidungsfähigkeit und Energieverbrauch:

Multitasking erfordert ständige Entscheidungsfindung, was die neuronalen Ressourcen im präfrontalen Cortex stark beansprucht. Überraschenderweise verbrauchen kleine Entscheidungen genauso viel Energie wie große Entscheidungen. Daher führt das ständige Wechseln zwischen Aufgaben zu Erschöpfung und geringerer Willenskraft. Das Gehirn neigt dazu, sich bei Multitasking auf die einfachsten Aufgaben zu konzentrieren, was zu Stress und einer Abnahme der Konzentrationsfähigkeit führt.

Die Informationsüberflutung des Gehirns:

Die Digitalisierung hat zu einer enormen Zunahme der verfügbaren Informationen geführt. Doch unser Gehirn ist nicht darauf ausgelegt, all diese Informationen zu verarbeiten. Bei einer Reizüberflutung neigt das Gehirn dazu, nur das wahrzunehmen, was es bereits kennt, anstatt neues Wissen aufzunehmen oder bestehendes Wissen zu hinterfragen. Dies kann gefährlich sein, da es dazu führt, dass wir unsere vorgefassten Meinungen verstärken, anstatt sie zu überdenken.

Die Bedeutung von Bildung und persönlichem Denken:

Bildung und eigenes Denken sind unerlässlich, um unser Wissen zu erweitern und differenziert zu denken. Während das Internet Zugang zu Informationen bietet, ist es unsere Aufgabe, diese Informationen zu bewerten, zu hinterfragen und mit unserem eigenen Wissen abzugleichen. Bildung findet nicht nur online statt, sondern in unseren Köpfen und in denen anderer Menschen. Suchmaschinen können uns bei der Recherche helfen, ersetzen jedoch nicht das eigene Denken.

Die Verlockung der digitalen Technologie:

Digitale Kommunikationstechnologie hat eine ähnliche Anziehungskraft wie Nahrung. Wir sehnen uns nach sozialen Verbindungen, und unsere Geräte bieten uns die Möglichkeit, “hypersozial” zu sein. Jede Benachrichtigung löst einen Dopaminschub im Gehirn aus, was süchtig macht. Wir gewöhnen uns an ständige Stimulation und haben Schwierigkeiten, uns ohne sie zufrieden zu fühlen. Diese Abhängigkeit von digitaler Technologie führt zu verkürzten Aufmerksamkeitsspannen und Ablenkung.

Um unsere Konzentration in einer Welt der Ablenkungen zu stärken, können wir bestimmte Strategien anwenden:

  1. Bewusste Nutzung: Beschränken Sie die Nutzung von Social Media und Messaging-Apps während der Arbeitszeit und verwenden Sie sie nur in Pausen.
  2. Gezielte Nachrichten: Lesen Sie Nachrichten bewusst und selektiv, anstatt sie zufällig zu konsumieren.
  3. Digitale Entgiftung: Verbannen Sie Smartphones, Tablets und Computer aus dem Schlafzimmer und schalten Sie sie nach dem Abendessen aus.
  4. Offline Interaktion: Verbringen Sie Zeit mit Büchern, Spielen und persönlichen Gesprächen mit Freunden und Familie.
  5. Zeitmanagement: Erstellen Sie To-do-Listen und priorisieren Sie Aufgaben, um Ablenkungen zu minimieren.
  6. Entfernen Sie Ablenkungen: Beseitigen Sie störende Apps und Geräte aus Ihrer Umgebung und halten Sie Ihr Smartphone außer Sichtweite.
  7. E-Mail-Management: Öffnen Sie Ihr E-Mail-Programm nur dann, wenn Sie die Zeit haben, eingehende Nachrichten zu bearbeiten.

Indem wir diese Strategien anwenden, können wir unsere Konzentration stärken und die Qualität unserer Arbeit und zwischenmenschlichen Beziehungen verbessern. Es ist an der Zeit, die Kontrolle über unsere digitale Welt zurückzugewinnen und uns auf das zu konzentrieren, was wirklich wichtig ist.

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