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Die Eskalation von Gewalt unter Kindern: Ursachen und Lösungsansätze

Maximilian Klieber

Gewalt antun, manchmal sogar bis zum tödlichen Ausmaß. Die Frage liegt nahe: Werden unsere Kinder wirklich immer gefährlicher? Die Psychologin und Trauma-Expertin Alina Wilms betont, dass Gewalt unter Kindern zwar schon immer existierte, aber in jüngster Zeit eine beunruhigende Eskalation erfährt.

Ein besonders schockierendes Beispiel ereignete sich am 22. Oktober in Neubrandenburg, als eine Gruppe Jugendlicher eine 13-Jährige stundenlang drangsalierte und dies sogar filmte. Ähnliche Meldungen über Kinder, die Gewalt verüben, häufen sich, darunter der tragische Fall des sechsjährigen Joel in Pragsdorf, der zwölfjährigen Luise in Freudenberg, einer Zehnjährigen in einem Kinderheim in Wunsiedel und eines 14-Jährigen in Wunstorf. Alina Wilms, eine renommierte Psychologin und Trauma-Expertin, erklärt, dass Gewalt unter Kindern zwar schon immer existierte, aber eine Veränderung darin besteht, dass die Gewalt heute vielfältigere Methoden aufweist und sogar zu Tötungsdelikten führen kann. Sie nennt vier Hauptgründe für diese besorgniserregende Entwicklung:

  1. Strafunmündigkeit unter 14 Jahren: Nach der tragischen Kindstötung von Luise in Freudenberg wurde breit diskutiert, dass Kinder unter 14 Jahren strafrechtlich nicht belangt werden können. Dies hat dazu geführt, dass potenzielle Täter und Täterinnen glauben, in diesem Alter straffrei handeln zu können. Die Psychologin appelliert an die Politik, ein Signal zu setzen, dass auch Taten von Kindern Konsequenzen nach sich ziehen müssen.
  2. Medieninhalte mit Gewalt: Die Zunahme von Filmen und Serien, in denen Kinder von Kindern misshandelt werden, trägt dazu bei, dass Kinder mit Gewaltphantasien angeregt werden, ihre eigenen Ideen zu konkretisieren und die Grenzen zwischen Fantasie und Realität zu überschreiten.
  3. Digitalisierung und psychische Gewalt: Die Digitalisierung hat die Hürde für den Einstieg in psychische Gewalt durch einen einfachen Knopfdruck minimiert. Cybermobbing und andere Formen digitaler Gewalt sind zu einem ernsthaften Problem geworden.
  4. Mangelnde elterliche Einflussnahme: Viele Eltern haben aus verschiedenen Gründen keinen tragfähigen Kontakt zu ihren Kindern. Dieser Mangel an positivem Einfluss macht Kinder anfällig für die Beeinflussung durch gewaltbereite Altersgenossen.

Um festzustellen, ob Kinder zu Gewalt neigen, betont die Psychologin Christian Lüdke die Bedeutung einer einfachen Frage: Fühlt sich das Kind geliebt? Wenn Kinder bedingungslose Liebe erfahren, ist das ein entscheidender Faktor, der sie durchs Leben trägt. Warnzeichen für Gewaltneigung sind Verhaltensänderungen wie Schweigen, soziale Rückzugstendenzen und Aggression, sei es verbal oder körperlich.

Eltern können aktiv dazu beitragen, dass ihre Kinder nicht in eine Gewaltspirale geraten, indem sie eine starke Bindung aufbauen und bedingungslose Liebe vermitteln. Die Qualität der Beziehung der Eltern zu ihren Kindern ist dabei entscheidend. Lüdke betont, dass es wichtig ist, Person und Verhalten zu trennen und den Kindern das Gefühl zu geben, dass sie bedingungslos geliebt werden, unabhängig von ihren Handlungen. Der offene Dialog zwischen Eltern und Kindern stärkt das Selbstwertgefühl der Kinder und macht sie widerstandsfähiger gegenüber negativen Einflüssen.

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